Norwegen Reise 2022
Mein Kurzfazit
Ich will mit meinem persönlichen Fazit zu Norwegen (etwas überspitzt formuliert) starten:
Norwegen hat fantastische Landschaft, aus jedem Stück Boden speit das Land Unmengen von Wasser aus. Alle Orte liegen am Fjord und will man von einem Ort zum nächsten liegen dazwischen 100 km anspruchvollste, enge Serpentinenstraßen mit 1000 m Höhenunterschied. Für einen Camperurlaub ist es total entspannt, denn nahezu überall kann man über Nacht stehen. Und – es ist kalt und es regnet viel!
Ich will fair mit dem Regen bleiben, Island ist in der Regel auch kalt und nass – wir hatten 2020 nur unheimliches Glück mit dem Wetter – aber sooooviel Regen hätte es wirklich nicht sein müssen.
Verkorkster Reisestart
Irgendwie war uns die Reise nicht vergönnt, denn das ganze Unternehmen startete mit Problemen mit dem Wohnmobil und unsagbar viel Stress vor der Abreise, so dass wir kurz davorstanden, die Reise ganz abzusagen.
Unsere ursprüngliche Planung sah vor, an einem Sonntag die ColorLine Fähre Kiel-Oslo zu nehmen und anschließend ganze 4 Wochen durch Fjord-Norwegen bis rauf zur Atlantikstraße zu fahren. Jeden Tag nicht mehr als ca. 150 km, oft auch weniger, um Zeit für Besichtigungen und kleine Wanderungen zu haben.
Da es unsere voraussichtlich letzte große Reise als Familie sein würde, haben wir uns für die Fährüberfahrten Kiel-Oslo und zurück jeweils für die Mädels und für uns eine Color Suite Doppel-Außenkabine gegönnt: geräumig, ausgestattet wie ein komfortables Hotelzimmer mit großem Panoramafenster und im abgetrennten VIP Flur, so dass nachts auf dem Flur einigermaßen Ruhe herrschen sollte. Kostenpunkt inkl. Fahrzeug das Äquivalent einer Woche Skiurlaub für die Familie. Einmal kurz Kreuzfahrtfeeling schnuppern, da Göttergatte und ich wohl niemals eine Kreuzfahrt buchen werden.
Wir wollten die Hinfahrt so entspannt wie möglich gestalten. Unser Plan sah vor, dass wir das Wohnmobil bereits am Donnerstag vorher nahe Düren beim Vermieter abholen, Donnerstag und Freitag den Camper in Ruhe packen und am Samstag bis nach Kiel fahren. Dort wollten wir die Nacht auf einem Campingplatz verbringen, um dann am Sonntagmorgen am Fährterminal zu sein. Das war der Plan, alles schön entspannt und nicht den Urlaub mit Hetze beginnen …. . So der Plan.
Vier Tage vor Abreise: kein Wohnmobil!
Der Schockanruf kam einen Tag vor der Fahrzeugübernahme: „der Camper sei mit Motorschaden aus der Vermietung vorher zurückgekommen und stünde nicht zur Verfügung“ …….. (Nachricht sacken lassen …. ich sehe die ColorLine Fähre am Sonntag ohne uns fahren …. ich fürchte um den letzten großen Familienurlaub und bin gedanklich bereits auf der Suche nach der letzten freien Unterkunft in Österreich für einen Wanderurlaub )…. „Aaaaber, sie hätten zufälligerweise gerade ein Neufahrzeug hereinbekommen, was für den Verkauf vorgesehen war. Das würden sie uns herrichten für die Vermietung.“ … (Ja was denn? Konnten sie das nicht gleich sagen? Dann ist doch alles paletti. Ich sehe die ColorLine Fähre wieder mit uns fahren.) … „Es gäbe nur ein Problem … Das WoMo sei noch nicht zugelassen.“ … ( Ah ja … die ColorLine Fähre wird definitiv ohne uns fahren.) Dann begann ein großer Eiertanz um die Zulassung: „Wir könnten wie geplant das Fahrzeug mit Überführungskennzeichen abholen und in Ruhe packen. Sie wollten das Fahrzeug am Freitag noch zulassen, kämen dann bei uns vorbei, um die Kennzeichen zu montieren und wir könnten wie geplant am Samstag nach Kiel fahren.“ .. ( Wenn das mal alles gut geht, aber sollte klappen … vielleicht sind wir doch am Sonntag auf der ColorLine Fähre).
Was der Vermieter aber bis zu diesem Zeitpunkt verschwiegen hatte war, dass er den KFZ-Brief noch nicht hatte.
Das Ersatzfahrzeug wird gepackt
Wir also am nächsten Tag frohen Mutes das WoMo abgeholt. Es stand dann mit Überführungskennzeichen bei uns in der Einfahrt – es passte sogar ganz knapp hinein – ein Auto wurde als eine Art Diebstahlsicherung quer davor geparkt. Das passte auch so gerade noch. Also alles gut.
Nach dem Schreck vom Tag vorher stieg bei der ganzen Familie die Vorfreude auf den Norwegen-Urlaub. Die Mädels haben engagiert gepackt, es hatte was von Beginn eines schönen, gemeinsamen Abenteuers. Wir freuten uns über das Ambiente eines fein ausgestatteten, neuen Wohnmobils.
Keine KFZ Zulassung
Der Freitag kam, wir hörten nichts vom Vermieter. Es wurde 12 Uhr … macht die Zulassungsstelle Freitags nicht spätestens um 13 Uhr Schluss? Es wurde 14 Uhr … die haben doch bestimmt schon zu … Ich ruf da jetzt an! … „Ja, wir trauen es uns kaum zu sagen ….“ … Nä, nicht? Bitten sagen Sie es nicht! … „Doch, wir haben den KFZ-Brief immer noch nicht, er sollte mit Kurier aus Kroatien kommen.“ … Aus Kroatien??!!?? Die ColorLine Fähre fährt definitiv ohne uns! … „Sie hofften, dass der Brief bis Freitag abend da wäre, sie hätten noch einen Termin für Samstag vormittag bei der Zulassungsstelle und dann kämen sie vorbei.“ …. O.k., das wird zwar etwas stressiger, aber dann könnte man noch Samstag Nachmittag bis nach Kiel fahren – falls es mit dem Brief klappt. „Sollte das nicht klappen … O.k., sie schränken es schon ein, sie rechnen also selbst nicht damit … „ … am Montag hätten sie auch noch einen weiteren Termin bei der Zulassungsstelle und dann kämen sie vorbei.“ O.k., dann wäre die Fähre nun definitiv ohne uns abgefahren. Wie dann weiter??
Ein ungewisses Wochenende
Der Samstag vormittag ging dann auch vorbei, ohne dass jemand mit Kennzeichen bei uns vorbei gekommen wäre. Damit war klar: Wir kommen am Sonntag nicht nach Oslo! Nun begann ein Wochenende der Umorganisation einer Reise, für die wir im Vorfeld ein halbes Jahr geplant hatten. Nun sollte alles innerhalb von 2-3 Tagen neu geregelt werden? Wir haben alle Möglichkeiten durchgespielt, neue Fähre suchen, mit dem WoMo bis nach Oslo fahren. Die Reisedauer beibehalten, aber die Rückkehr nach hinten verschieben. Letztlich haben wir uns entschieden, für die Hinfahrt wieder eine Fähre zu nehmen – falls wir eine so kurzfristig bekommen – und die Reise zu verkürzen. Welches von den Zielen musste wegfallen? Aber für welchen Tag sollten wir eine Fähre buchen??? Wir hatten doch keine Ahnung, wann das WoMo zugelassen werden würde? Wir hingen wirklich komplett in der Schwebe und unsere Vorfreude auf die Reise war definitiv dahin.
Der erlösende Anruf und Neuorganisation der Reise
Am Samstag abend kam der erlösende Anruf: der Brief war angekommen, das WoMo würde am Montag zugelassen. Nun ging es daran, eine Fähre zu finden: Von Holland gab es noch freie Fährplätze, aber keinen für ein großes WoMo. Von Kiel gab es auch keine freien Plätze für unser WoMo. Dann endlich von Kopenhagen, da gab es noch einen Platz auf einer DFDS Fähre, einfache Kabine, einfache Fähre, aber ein Platz für uns und das WoMo.
Neuplanung über Kopenhagen
Um nach Kopenhagen zu kommen, benutzt man die sogenannte „Vogelfluglinie“, die direkte Straßen-/Fährverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen. Dazu braucht man noch einen Platz auf der Fähre zwischen Puttgarden/ Fehmarn nach Rødby DK. Auch hier hatten wir Glück, es gab noch Platz für unser WoMo auf einer Scandlines Fähre.
Aber wie schaffen wir das zeitlich? Am Montag noch bis Bremen – hier noch schnell einen Stellplatz gesucht (kurzfristig, in der Hauptreisezeit, möglichst nahe der Autobahn, um zusätzliche Kilometer zu vermeiden und wo man spät ankommen kann …) und auch noch was nettes kurz vor Bremen in Groß Ippener auf dem Hof eines Hotel-Restaurants gefunden.
Dann Dienstag bis nach Dänemark, hier noch einen Stellplatz gesucht (kurzfristig, in der Hauptreisezeit, möglichst nahe der Autobahn und nicht zu weit weg von Kopenhagen, so dass wir am Mittwoch ohne Stress bis zum Fährterminal in Kopenhagen kommen würden.) In Maribo, DK sind wir fündig geworden.
Anstatt Montag wären wir dann erst Donnerstag in Oslo, aber besser eine verkürzte Reise als gar keine. Was die finanzielle Seite anging, die verpasste, teure Fähre Kiel-Oslo, darum wollten wir uns nach der Reise kümmern. Der Vermieter hatte bereits mündlich angekündigt, für den Schaden aufkommen zu wollen. Immerhin etwas, aber ob er das später auch noch so sehen würde? Egal, das Problem würden wir nach der Reise angehen. Es keimte wieder so etwas wie Reise-Vorfreude auf.
Ist das Wohnmobil noch da?
In der Nachbarschaft hatte sich zwischenzeitlich ein täglicher Sport beim Gassigehen mit dem Hund entwickelt: schnell bei uns vorbeischauen, ob das WoMo noch dasteht, oder ob wir endlich unterwegs seien. Ich glaube, wir haben alle Einbrecherbanden der Umgebung – die nun mittlerweile wirklich wissen mussten, dass wir einen WoMo-Urlaub planten – in Verwirrung gestürzt, da wir partout nicht abfahren wollten.
Die Kennzeichen kommen und Reisestart
Montag nachmittag kamen dann eeendlich die Kennzeichen und die Zulassung. Der Camper war vollständig gepackt und es ging los Richtung Norden. Ohne Staus kamen wir zügig voran und müde, aber guter Dinge, erreichten wir Groß Ippener zum Sonnenuntergang.
Das „Groß“ im Namen des Ortes erwies sich als reichlich übertrieben, besteht der Ort doch im Wesentlichen nur aus einer Dorfstraße. Es gab auch nix zu essen, aber immerhin eine Harley-Davidson Vertretung! Ein abendlicher Spaziergang bei strahlendem Wetter bescherte uns aber noch ein paar frische Eier von glücklichen Hühnern, so dass einem ersten gemütlichen Campingabend mit frischem Rührei nichts mehr im Wege stand.
Erste Fährfahrt und eine Schrecksekunde
Am nächsten Morgen ging es in Richtung „Vogelfluglinie“: Über die Autobahn über die Fehmarnsundbrücke bis Puttgarden auf Fehmarn und dann die Fähre bis Rødby DK. Dort angekommen standen wir wie viele andere in den Wartespuren. Die Fähre lag schon am Terminal, musste aber noch entladen werden. Schon faszinierend wie viele Fahrzeuge auf so eine Fähre draufpassen, vom PKW über den Reisebus bis hin zum 40-Tonner.
Schnell ist so eine Fähre entleert, auch dank der guten Organisation seitens der Einweiser. Sie müssen auch ein gutes Auge für die Größe der Fahrzeuge haben, denn sowie das Beladen los geht, wird einem nach kurzem Blick ein Beladespur zugewiesen … zu unserer Überraschung wurden wir nicht zu den Großfahrzeugen, sondern zu den PKWs geschickt.
Dort standen dann auch schon die Einweiser und wiesen einem einen Stellplatz zu: Unser Einweiser blickte zu sorgenvoll auf die Höhe unseres Fahrzeugs, wackelte kurz mit seiner Hand „Ei, ei, das sieht knapp aus!“ , mir rutschte das Herz kurz in die Hose und sah den Alkoven schon die Laderaumdecke entlangkratzen. Aber man hörte nichts und der Einweiser hielt den Daumen hoch. Wie knapp das mit der Fahrzeughöhe war, konnten wir dann nach dem Aussteigen begutachten … die Ladehöhe auf diesem Deck war 3,15 m, unser Fahrzeug 3,10 m …. .
Kopenhagen, Dänemark
Nach einer ruhigen Übernachtung in Maribo ging es nach Kopenhagen zum Fährterminal. Trotz Navigationsgerät muss ich gestehen, dass ich im Verkehr der Großstadt doch ganz schön ins Schwitzen kam.
Spannend wird es immer dann, wenn man im Prinzip schon ganz in der Nähe seines Zieles ist, die Zahl der Straßenabfahrten und die Zahl der Fahrspuren gefühlt immer größer werden und das Navigationsgerät pünktlich den Kontakt zu den Satelliten verliert und gar nix mehr anzeigt oder einem sagt, dass man mitten auf der Autobahn wenden soll. Dann ist Nerven behalten gefragt – nicht, dass das bei mir klappen würde – und es ist gut, dass man noch einen Beifahrer mit altmodischer Straßenkarte hat (der diese auch einigermaßen zu lesen beherrscht), der einem zumindest grob die Richtung ansagen kann.
Blöd ist nur, wenn man dann in der Einfahrt einer Schiffsmarina landet, wo so viel los ist, dass man vor lauter Leuten, abgestellten E-Rollern und hinter einem einfahrenden PKW nicht mehr weiß, wo man mit seinem großen WoMo hin soll. Ich war daher schon am Rande eines Nervenzusammenbruchs, vor dem inneren Auge schon 10 Roller und 5 Menschen überfahrend und mindestens 3 Absperrpoller und geparkte Autos rammend.
Der Witz war, dass wir eigentlich nur eine Abfahrt vor dem Terminal waren. Die haben wir dann auch nach der Marina-Episode schnell gefunden und endlich standen wir in einer der Abfertigungsspuren, ein paar Stunden vor dem geplanten Fahrzeug-Check-in der Oslo-Fähre.
Wir ließen das WoMo am Fährterminal stehen und machten uns auf, wenigstens das Wahrzeichen Kopenhagens, die Meerjungfrau, am Hafen zu besichtigen. Am Hafen bekamen wir dann auch endlich ein leckeres, dänisches Eis an einem Kiosk. Mehr Zeit blieb uns nicht in Kopenhagen und wir machten uns wieder auf zum Terminal.
Abfahrt nach Oslo
Mittags ging es pünktlich los mit dem Check-In, man bekam wieder eine Fahrspur zugewiesen und wir erhielten die Bordkarten für die Kabinen auf der Fähre, denn Übernachten im WoMo auf dem Fahrzeugdeck ist untersagt. Die Gasversorgung zum Kühlschrank muss man aus Sicherheitsgründen auch abstellen. Was würden unsere Vorräte im Kühlschrank dazu sagen?
Im Fahrzeugdeck ist es ungeheuer eng, Spiegel klappt man besser ein. Jeder noch so kleine Raum wird ausgenutzt, da muss man beim Reinfahren schon höllisch aufpassen. Der verbleibende Raum zwischen den Fahrzeugen reicht kaum, um auszusteigen und das Nachtgepäck mitzunehmen.
Hat man dann glücklich das Treppenhaus vom Fahrzeugdeck zu den Kabinen erreicht, noch schnell ein Foto von der Nummer des Treppenaufgangs machen, damit man später sein Fahrzeug wiederfindet.
Unsere Kabinen lagen auf Deck 5 und 6. Den Aufzug konnte man nicht benutzen, er war klein und es stand eine lange Schlange davor. Wir quälten uns also samt Gepäck durch das Gedränge zwei Decks nach oben. Aufgrund von 2 Jahren Corona noch nicht an solche Menschenmassen auf engem Raum gewohnt bekamen wir langsam Platzangst und Panik. Auf Deck 5 angelangt erfuhren wird, dass unsere Kabinen noch nicht fertig seien und dass wir noch 2 h warten müssten! Damit kippte die Stimmung bei den Mädels, alle waren müde und erschöpft und die „Kreuzfahrtatmosphäre“ (viele Menschen und ein leicht heruntergekommenes Schiff) ließ kein Urlaubsgefühl aufkommen. Wir setzten uns in eine Lounge, die einen schönen Blick auf den Hafen in Kopenhagen ermöglichte, aber leider trübte sich das Wetter ein und es würde auf unserer Reise auch nicht mehr besser werden, was wir da aber noch nicht ahnten.
Kurz vor dem Ablegen in Kopenhagen war wenigstens eine unserer Kabinen fertig, so dass wir unser Gepäck deponieren und uns zu den Aussichtsdecks aufmachen konnten, um das Auslaufen zu beobachten.
Für das Abendessen hatten wir einen Tisch im Buffetrestaurant gebucht. Der Tisch war schön, Göttergatte und ich gönnten uns ein Glas Wein, was in Skandinavien ein Luxus ist, da Alkohol aufgrund der hohen Steuern sehr teuer ist. Das Buffet war auch o.k. und Göttergatte hatte die Chance, Seespinne zu essen, was bei den Mädels nicht auf Gegenliebe stieß.
Ein fantastischer Sonnenuntergang ... der einzige auf unserer Reise
Der Abend kam und wir waren alle müde, so dass wir uns früh in die Kabinen zurückzogen. Ich nahm vorsichtshalber eine Reisetablette. Die See war zwar ruhig, aber wenn man im Bett liegt, führt das andauernde leichte auf und ab des Schiffes zu einem seltsamen Gefühl in der Magengrube. Pünktlich zum Sonnenuntergang wurde ich nochmal wach und beschloss, an Deck zu gehen. Der Sonnenuntergang war traumhaft schön und ich genoss die Stimmung sehr. Gut, dass ich da noch nicht wusste, dass dies der einzige Sonnenuntergang sein würde, den ich in diesem Urlaub würde fotografieren können.
Endlich in Norwegen! Einfahrt in den Oslofjord
Am nächsten Morgen hatten wir noch genug Zeit für das Frühstück und danach konnten wir die Einfahrt in den Oslofjord genießen. Nur das Wetter war trübe – leichter Regen und recht frisch. (Eigentlich war das gutes Wetter, was wir aber noch nicht ahnten.)
Die Einfahrt in den engen Oslofjord ist beeindruckend. Wahnsinn, wie nah die großen Schiffe an den Schäreninseln im Fjord vorbeifahren, die Küste war oft zum Greifen nah! Wie an der Perlenschnur aufgereiht fahren die Fähr- und Kreuzfahrtschiffe in den Oslofjord – morgens hinein, nachmittags hinaus. Begegnungsverkehr ist hier für die großen Schiffe nicht möglich. Während der Fahrt durch den Oslofjord werden wir begleitet von Möwen, die hin und wieder geschickt auf dem Schiffsdeck landen, um die Pommes Frites vom Abendessen des Vortages aufzusammeln.
Kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Oslo erhaschten wir einen trüben Blick auf den berühmten Holmenkollen mit seiner Skisprunganlage.
Eine halbe Stunde vor dem Anlegen öffnet das Fahrzeugdeck wieder und es wird Zeit, die Kabinen zu räumen und sich mit Sack und Pack wieder zum WoMo zu bewegen. Das ist nicht so einfach, denn man ist nicht der Einzige, der sich vollgepackt durch das Treppenhaus nach unten quält. Immerhin ist das richtige Treppenhaus leicht zu finden (keine Selbstverständlichkeit wie wir noch auf der Rückfahrt würden lernen müssen) und ohne Probleme sind wir wieder bei unserem WoMo angekommen. Noch schnell das erste Etappenziel ‚Garntangen‘ in Norwegen im Navigationsgerät aufgerufen und schon geht es los. Diesmal freue ich mich ehrlich, dass wir die letzten sind, die den Laderaum verlassen dürfen.
Dass man als letzter rausfährt hat natürlich zur Konsequenz, dass man in Oslo am längsten im Stau steht: die Hafenausfahrt führt einen nämlich direkt ins Zentrum von Oslo, wo man aufgrund von Baustellen auch erstmal ein paar enge, verwinkelte Straßen passieren muss, bevor man endlich auf die Ausfallstraße gelangt. Als Fahrer machte ich drei Kreuzzeichen als wir endlich aus dem Stadtbereich von Oslo heraus waren und entspannt über die E16 nach Westen Richtung Fjordnorwegen rollten.
"Ein Käsebällchen, bitte!"
‚Garntangen‘ ist ein bedeutender Stopp, denn es gibt etwas zu essen! Es ist zwar erst später Vormittag und eigentlich hat noch keiner von uns Hunger (außer mein Göttergatte natürlich), aber Essen in Garntangen muss sein!
Es ist eigentlich nur eine größere Frittenbude, aber das Essen ist gut (wenn auch teuer wie überall in Norwegen) und die Attraktion sind die Enten und Lachmöwen, die dort eifrig gefüttert werden.
'Problem' ist nur, dass die Menütafeln alle auf norwegisch sind und man unter Umständen in Verständigungsschwierigkeiten gerät. Nicht jeder Norweger ist des Englischen wirklich mächtig. Wenn diese dann auf Mädels treffen, die vor Aufregung nicht jede Frage der norwegischen Bedienung korrekt verstehen, kann es schonmal zu kuriosen Missverständnissen kommen.
Die Mädels wollten Käsebällchen. Bescheiden wie sie sind, wollten sie sich eine Portion teilen. Nun, nach der Menükarte sah es so aus, als ob eine Portion 10 Käsebällchen enthielte. 5 Käsebällchen pro Nase ist doch ganz gut zum Probieren! Also vermeintlich eine Portion bestellt. Die Bedienung fragte dann nochmal erstaunt nach „Just one?“. „Yes“, antworteten die Mädels, „we share.“
Die Bedienung machte ein verwundertes Gesicht, aber … der Kunde ist König … die Mädels wunderten sich, warum die Bedienung ein verwundertes Gesicht machte und Göttergatte bezahlte. Während wir auf unsere Bestellung warteten, hatten wir genug Zeit die Enten und Möwen zu beobachten und belustigt festzustellen, dass sich die Enten brav in Reih und Glied an der Frittenbude anstellen. Dann wurde unsere Bestellung ausgerufen und wir bekamen – neben Pommes Frites … ein einzelnes Käsebällchen!
Dieses wurde dann auch geschwisterlich geteilt … nun war auch klar, warum die Bedienung ein verwundertes Gesicht gemacht hat. Den Mädels war das so peinlich, dass sie mein Angebot ausschlugen, ein paar Käsebällchen nachzubestellen. Es gab das Versprechen, am Ende des Urlaubs bei unserer Rückfahrt nach Oslo hier erneut einen Stopp einzulegen und eine Schale mit 10 Käsebällchen zu bestellen.
Durch die Hardangervidda - Mückennetze im Dornröschenschlaf
Unser erster geplanter Campingplatz lag nahe des Valdres Nationalpark, den wir aufgrund der verkürzten Reise nicht besuchen konnten. Auch die Valdresflye Landschaftsroute mussten wir leider auslassen. So war unsere erste Landschaftsroute am nächsten Morgen die Straße durch den Hardangervidda Nationalpark.
Berüchtigt für seine Mückenplage im Sommer waren wir gut vorbereitet auf einen geplanten Spaziergang durch diese einzigartige Landschaft: Für jeden von uns Mückennetze, die man über den Wanderhut ziehen kann und mückenabweisende Oberbekleidung. Ob wir diese wohl brauchen würden? Die Schneestangen beidseitig entlang der Straße (im Hochsommer … ) verhießen wettertechnisch nichts Gutes.
Die Straße durch die Hardangervidda erklomm Höhenmeter um Höhenmeter. Die Zahl der Schneefelder rechts und links der Straße nahm stetig zu. Am See Ørteren hielten wir kurz an. Ein riesiges Steinmännchenfeld lud dazu ein, auch eines zu bauen. Es herrschte aber ein ausgesprochen eisiger und schneidender Wind, so dass mein Göttergatte gleich im WoMo blieb und die Mädels auch etwas fröstelten.
Vorteil am kalten, nassen und windigen Wetter war jedoch – es gab keine Mücken! Nachteil war aber – keiner hatte Lust einen Spaziergang zu machen! Die Mückennetze brauchten also nicht ausgepackt zu werden und das sollte auch für den Rest des Urlaubs so bleiben: Die Mückennetze fristeten bis zum Ende der Reise originalverpackt ihr Dasein und wurden so auch wieder nach Deutschland zurückgefahren. Braucht jemand neue, ungetragene Mückennetze für den Kopf?
Mittags fanden wir einen aussichtsreichen Rastplatz, an dem wir eine Rast mit einem von zwei Camper-Standardessen - ‚Spaghetti mit Tomatensoße‘ – zu uns nahmen. (Das andere Standardessen war übrigens ‚Wurstgulasch‘.) Beim Kochen auf Rastplätzen entwickelte sich schnell eine Standardroutine: die Mädels schnippeln die Zutaten, Göttergatte steht am Herd und ich fotografiere. Alle vier finden ohnehin kein Platz zum Arbeiten in der Küche.
Fährt man die Hardangervidda nach Westen hinunter gelangt man zum beeindruckenden Vøringsfossen, ein Wasserfall mit 183 m Fallhöhe. Entlang der Schluchtkante kann man spazierengehen mit immer wieder fantastischen Aussichten auf den Wasserfall. Wirklich gut gefallen haben mir an allen touritischen Highlights die architektonisch sehr attraktiv gestalteten Wege und Aussichtspunkte! Sie fügen sich meist sehr gut ins Landschaftsbild ein.
Erstes Fjordfeeling und eine Tour mit dem Ruderboot
Weiter westwärts lag unser Tagesziel, der Campingplatz Sæbø Camping am Eidfjordvatnet. Die Sonne lugte hin und wieder durch die Wolken hindurch, es war trocken von oben und nicht all zu kalt. Obwohl der Eidfjordvatnet ein See ist, kam zum ersten Mal „Fjordfeeling“ auf. Die Mädels haben dann kurzerhand beschlossen, eine Rudertour zu machen. Wer weiß, wann wir wieder Gelegenheit dazu haben würden? … eine gute Entscheidung! Unsere Ruderkünste ließen aber sehr zu wünschen übrig, so dass wir uns eigentlich in einer ständigen Kreisbewegung befanden, was aber dem Spaß keinen Abbruch tat!
Norwegen bietet viel Landschaft ... und viel Regen!
Der nächste Morgen begrüßte uns mit dunklen, tiefhängenden Wolken und bis wir die Brücke über den Hardangerfjord erreichten, regnete es in Strömen. Von der ‚Königin der Fjorde‘, dem Hardangerfjord und seiner Berglandschaft bekamen wir nur ein trübes Einheitsgrau mit. Zum ersten Mal stellte sich bei mir Fotofrust ein. Ich habe es gerne, wenn das Wetter nicht zu strahlend ist – nach dem Motto ‚blauer Himmel ist langweilig‘ – aber trübe Regensuppe ist das Schlimmste überhaupt.
Hardangerfjord und Tunnel in Norwegen
Nun ging es erstmalig über einen Fjord. Wir nahmen die Hardangerbrücke, mit einer Spannweite zwischen den Stützen von 1,4 km und einer lichten Höhe von 55 m überspannt sie den Hardangerfjord, der an dieser Stelle eine Tiefe von 500 m besitzt. Das Befahren der Brücke mit einem WoMo ist schon beeindruckend. Insbesondere bei windigem Wetter, wo der Westwind fast ungebremst entlang der Fjorde ins Landesinnere gelangt, wird einem auf der Brücke schon ein wenig mulmig. Kommt man zum Ende der Brücke fährt man auf eine senkrechte Felswand zu, die Straße verschwindet sofort in einem Tunnel.
Tunnelbau in Norwegen übertrifft alles, was man aus den Alpen kennt. Die Tunnel sind oft lang, sehr lang. Je nach Länge verlaufen sie S-förmig, selbst wenn eine gerade Tunnelführung möglich gewesen wäre. Sind sie extrem lang (der Lærdalstunnel z.B. ist mit einer Gesamtlänge von 25 km der längste Tunnel der Welt), so wird in den Tunneln eine Lichtinstallation gezeigt. All dies nur, damit die Autofahrer auf der langen Fahrt durch die Tunnel nicht einschlafen. Die Länge der Tunnel durch die Bergmassive führt dann auch zu – für unsereins – überraschenden Momenten, dass man mitten im Berg auf einen blau erleuchteten Verkehrskreisel stößt, so wie auf der E13 hinter der Hardangerbrücke.
Gegen strömenden Regen helfen nur Cookies und Schokolade
Im Ort Voss wollten wir die wichtigsten Vorräte auffüllen – Schokolade und Cookies! Also auf einen Supermarktparkplatz, ein letzter angeekelter Blick auf den strömenden Regen und dann schnell hinein.
Wo ist die Schokolade? Nicht zu finden … ohne können wir nicht zum Camper zurück. Göttergatte: „Da hinten ist was!“ Ich: „Nee, da ist nur die Quengelkasse!“ Aus dem Off hört man plötzlich schallendes Gelächter. „ ‚Quengelkasse! Herrlich!“ Wir drehen uns um. Steht da eine Supermarktmitarbeiterin und hat jedes Wort mitbekommen, was ich so in dem rheinischen Bewußtsein „versteht hier eh niemand“ von mir gebe und sofort mal wieder auffalle. Es stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus Ostdeutschland stammte und den Coronaregeln in Deutschland vor 2 Jahren entflohen war und zu ihrem Freund nach Norwegen zog. Die Welt ist klein.
Mehr Wasser von oben: Tvindefossen
Nächster Stopp war Tvindefossen. Mittlerweile war es bereits später Vormittag und die Parkplätze füllten sich mit Reisebussen. Wir fanden noch ein kleines Eckchen, aber gerade entluden zwei Reisebusse asiatische Touristen, die aufgeregt zum Fuß des Wasserfalles eilten. Ich dachte „Na prima, mal wieder nur ein Wasserfallfoto mit einer Wand von roten und blauen Jacken samt der obligatorischen Regenschirme davor“. Ja dann haben wir ja auch noch die Zeit, unsere Island-erprobte Wasserfall-Regenmontur anzuziehen. Wir also durch den strömenden Regen zum Wasserfall.
Interessanterweise gingen die Bustouristen ab einem kritischen Punkt nicht mehr weiter … ab diesem Punkt war die Wassergischt, die einen von vorne-unten traf, so stark, dass man ohne Island-erprobte Wasserfall-Regenmontur instantan wassergetränkt war. Jippie! Freie Fotobahn für mich und die Kamera! Einziges Problem, ich hatte das Tuch zum Trocknen der Frontlinse im Camper vergessen, also gab es Fotos mit ein paar Wassertropfen auf der Linse.
Der Tvindefossen führte dank der ausgiebigen Regenfälle beindruckend viel Wasser. Er kann in trockenen Sommern auch zu einem uninteressanten Rinnsal verkommen. Insofern hat ein regenreicher Sommer in Fjordnorwegen auch seine positiven Seiten.
Zwischen Hardangerfjord und Sognefjord: das Vikafjell
Unser Weg nach Vikøyri am Sognefjord führte über das Vikafjell, welches den Hardangerfjord vom Sognefjord trennt. Unser WoMo musste also mal wieder 1000 Höhenmeter überwinden. Gut, dass wir Passstraßenerfahrung haben, sei es vom Großglockner, aus den Rocky Mountains oder aus der Silvretta. Wenn man die Abgründe aber stets aus der erhöhten Sitzposition eines WoMos betrachtet und gleichzeitig kein großes Vertrauen in die Bremsen des Citroen Unterbaus hat (die Motorbremse konnte man vergessen, zwischen 3. und 1. Gang war kein Unterschied), … ja, da kommt der Fahrer schon etwas ins Schwitzen.
Mit der ersten Kehre passierten wir den Sendefossen, der Unmengen tosenden Wassers führte. Oben auf dem Vikafjell angekommen ging der Regen bei +4°C langsam in Schneeregen über und es empfing uns ein eisiger Wind. Aber trotz des Wetters, mein Fotografenherz lebte auf, denn nichts ist schöner als mystische Nebelstimmung. Und dann noch die Seen auf der Hochebene mit Eis und Eisbergen bestückt und dazu das frische Grün des Sommers.
Vikøyri am Sognefjord
Auf der Fahrt wieder hinunter nach Vikøyri am Sognefjord kamen wir bei Vikafjellsvegen 168 vorbei, ein kleines Cafe, das nicht nur wegen seiner spektakulären Aussicht auf den Sognefjord in sämtlichen Reisebeschreibungen angepriesen wird. Die Aussicht auf eine Einkehr in dem Cafe ließ uns den Hunger und das kalte Wetter vergessen. Der Frust war groß als wir dort ankamen und leider feststellen mussten, dass das Cafe dauerhaft geschlossen ist. Wenigstens konnten wir die Aussicht genießen, denn es war mal trocken von oben! Vikøyri bot das klassische Bild von oben, wie man es in allen Reisprospekten zu Norwegen zu sehen bekommt: kleiner Ort am Fjord mit vorgelagertem Kreuzfahrtschiff. Nur - in Reiseprospekten ist das Wetter immer schön!
In Vikøyri angekommen, wurden gerade die Kreuzfahrttouristen mit Beibooten an Land gesetzt. Wo auch immer ein Kreuzfahrtschiff entladen wird, verdoppelt sich Zahl der Menschen im Ort. Göttergatte und ich waren uns einig, dass wir so niemals Urlaub machen möchten.
Seekrank am Sognefjord
Unser Campingplatz Djuvic Camping am Sognefjord war ein Traum und das abendliche Wetter stimmte uns versöhnlich. Zum ersten Mal erlebten wir das charakteristische Camping auf regulären Campingplätzen in Norwegen: die Stellrichtung ist meist mit Frontscheibe zum Fjord. Sitzt man also abends gemütlich auf den Vordersitzen hat man immer den Blick auf den Fjord, was lustigerweise immer zu dem leichten Gefühl führt, man würde seekrank.
Der nächste Morgen startete frisch, aber mit etwas Sonnenschein und lud zum frühen Kaffee am Fjord ein, solange die Mädels noch schliefen. Das war die Lichtstimmung, die mein Fotografenherz höher schlagen lässt. Blauer Himmel ist definitv langweilig!
Nach Gudvangen
Die Ziele für den nächsten Tag waren Gudvangen und Undredal am Nærøyfjord bzw. Aurlandsfjord, die zwei südlichen Armen des Sognefjords und campen wollten wir kurz vor Auerlandsvegen in Lunde Camping. Die sehr schmale Straße nach Undredal wollten wir nicht in der Stoßzeit fahren, also durften wir heute morgen nicht trödeln. Ein Problem ergab sich stets mit den frühen Abfahrtszeiten: In Norwegen macht alles erst frühestens um 10 Uhr auf, oft erst um 11 oder 12 und wir waren meistens zu früh dran. So erging es uns in Hopperstad mit der imposanten Stabkirche, die wir leider nur von außen besichtigen konnten.
Unser Weg nach Gudvangen führte uns erneut über das Vikafjell, das aber auch an diesem Tag kein besseres Wetter zu bieten hatte. Nur den Schafen auf der Straße schien der Regen nichts auszumachen.
In Gudvangen angekommen, war es mal wieder trocken von oben, aber sehr kalt. Einige Touristen ließen sich trotzdem nicht von einer Kanutour auf dem Nærøyfjord abhalten. Wir gehörten nicht dazu.
Zu unserer Überraschung besteht das berühmte Gudvangen nur aus wenigen offensichtlichen Unterhaltungsprogrammen: 1. Ein Fähranleger, 2. ein Kanuverleih, 3. ein Freilichtmuseum mit Wikingerdorf und 4. ein Cafe mit Souvenirshop. „Mhmm, die Fähre müssen wir nicht nehmen, Kanu ist uns zu kalt und uddelig, das Wikingerdorf macht erst später auf … also bleibt nur Cafe und Shop!“. Immerhin war der Shop ganz nett und ich erstand einen Wollüberwurf mit Norwegermuster zu einem fairen Preis und ein Kopftuch mit Elchmuster … eigentlich mehr, um die Mädels zu ärgern, weil sie wohl die Elche voll peinlich fanden … ich fand die Elche süß und der Überwurf leistete mir noch kuschelige Dienste.
Üben für den Gas-Spar-Winter 2022/23
Wir hatten zwar genug Gas zum Heizen an Bord, unsere Heizung grillte aber im Wesentlichen die Mädels im Alkoven während es unten im WoMo kalt blieb. Heizen führte dann dazu, dass Göttergatte und ich unten weiterhin froren und die Mädels oben im Alkoven das Dachfenster öffneten, ihre Köpfe rausstreckten, um dieselben zu kühlen. Später hatte die Heizung dann auch noch einen Defekt und setzte leider während des Betriebes unser WoMo unter Wasser. Daher blieb‘s im Camper frisch und man musste sich in Decken und Überwürfen einkuscheln. Am Ende unseres Norwegenurlaubs würden wir gestählt sein für die Herausforderungen des kommenden Gas-Spar-Winters in Deutschland bei 19° Wohnungstemperatur. Wie man in 90 Sekunden duscht, weiß man als erfahrener Camper ohnehin! Nimm das, Putini!
Undredal und Kafe Ost
Da Gudvangen in unseren Augen nicht weiter aufregend war … zumindest bei Regenwetter … , machten wir uns auf den Weg nach Undredal. Die Straße ist so schmal, dass man die ganze Zeit hoffte, dass einem bitte keiner entgegenkommen möge, schon gar kein anderes WoMo.
Aber Undredal hat Lage, Lage, Lage – traumhaft kleiner Ort am Auerlandsfjord! Und es gibt ein beliebtes Cafe, das Kafe Ost, in dem man den ortstypischen Ziegenkäse serviert bekommt. Das Mittagessen in Undredal war also Pflichtprogramm!
Das Kafe Ost war zur Mittagszeit rappelvoll, aber wir hatten Glück, denn gerade wurde an einem großen Tisch ein Eckchen für uns frei. Was das Cafe so sympathisch und einladend machte – hier essen auch die Einheimischen! Göttergatte und ich orderten einen Salatteller mit Käse und hiesiger Wurstspezialität und die Fischsuppe dazu, die Mädels bestellten die obligatorische Pizza. Alles sah lecker aus und schmeckte gut. Nur das mit dem Hefeteig bekommen die Norweger nicht so gut hin, der Pizzateig war eher von der amerikanischen Weizensorte.
Nach einem kleinen Ortsbummel zu den Fotospots ging es auch schon wieder zurück zum WoMo und die lange, enge Straße wartete wieder auf uns, denn der Weg nach Undredal ist eine Sackgasse. Wir kamen auch ganz gut durch, nur kurz vor der Einmündung in die E16 kam uns just an einer Stelle ohne Möte (Ausweichstelle) ein WoMo entgegen. Nun hieß es gut peilen … immerhin fuhren wir auf der Abgrundseite … die Spiegel einklappen und die Beifahrer raus aus den Fahrzeugen zum Einweisen, ob die Räder sich noch auf sicherem Terrain bewegten. Aber wir meisterten diese Stelle und ohne einen Kratzer kamen wir wieder auf die Hauptstrecke.
Am Nachmittag erreichten wir unseren Campingplatz. Der Abend wurde sogar noch recht sonnig und abgesehen vom Wind konnte man auch mal gemütlich draußen vor dem Camper sitzen. Der neue, in Gudvangen erstandene Überwurf machte sich gut gegen den Wind.
Landschaftsroute Aurlandsvangen - traumhaft!
Der nächste Morgen brachte uns die Landschaftsroute Auerlandsvegen. Dafür wollten wir wieder früh raus aus den Federn, denn Auerlandsvegen ist eine beliebte Route, auch bei Reisebussen. Und wenn ich beim Fahren von engen Passstraßen mit dem WoMo etwas nicht mag, dann sind es Reisebusse, die einem an besonders engen Stellen ohne Möte oder in Haarnadelkurven entgegen kommen. Bergfahrt hat zwar auch in Norwegen Vorfahrt, aber was nutzt mir das, wenn das Fahrzeug, was bergab fährt, nicht zurücksetzen kann? Damit die Mädels möglichst lange schlafen konnten, fuhren wir sofort nach dem Aufstehen frühmorgens los und verschoben das Frühstück auf später, wenn wir oben auf dem Auerlandsfjell angekommen wären. Das ist eine bewährte Methode, die wir auch damals in Yellowstone angewendet haben, um den schlimmsten Bison-Staus zu entgehen: Erst die Straßen bei wenig Verkehr meistern, dann frühstücken.
Die berüchtigste Straße bei Touristen in Norwegen ist der Trollstigen. Ich finde, Auerlandsvegen ist um einiges schweißtreibender: eng, steil und nahezu ungesicherte Abgründe. Viele Touristen nehmen deshalb anstatt des Auerlandsvegen den Lærdalstunnel, den längsten Tunnel der Welt, um die Straße über das Auerlandsfjell zu umgehen. Der Tunnel ist sicherlich auch spektakulär mit seinen Lichtinstallationen, aber die Landschaft des Auerlandsfjell ist grandios und jede Schweißperle auf der Stirn wert!
Aussichtspunkt Stegastein am Aurlandsfjord
Den ersten grandiosen Stopp hat man bei Stegastein, eine Aussichtsplattform, die spektakulär über den Auerlandsfjord gebaut wurde. Wir hatten Glück – durch die Frühe des Tages war der Parkplatz noch leer und das Wetter zumindest trocken. Dann ging’s rauf auf’s Auerlandsfjell mit 1300 Höhenmeter. Die Schafe, die die letzte Wärme vom Asphalt nutzten, fühlten sich zwar gestört, machten aber keine Anstalten, ihren Ruheplatz zu räumen. Also war Slalomfahren angesagt.
Keine Rentiere im Aurlandsfjell
Am Homsvatnet, dem höchsten Punkt der Passstraße, erwartete uns tiefer Winter. Wir machten unseren Frühstücksstopp kurz vorher und während sich Göttergatte und die Mädels um’s Frühstück kümmerten, ging ich raus in die Kälte und fotografierte.
Ich konnte mich an dieser Landschaft einfach nicht sattsehen. Was mich als Fotograf am meisten faszinierte: wie farbig die Landschaft im Detail trotz der nebligen Winterstimmung ist. Die Moose und Flechte zauberten eine unglaubliche Farbenvielfalt ins Bild. Was jetzt nur noch fehlte wären ein paar Rentiere, die sich pittoresk ins Bild stellten, aber das sollte mir während unserer Norwegenreise nicht vergönnt sein.
Bei Flotane machten wir einen kleinen Spaziergang zu einem namenlosen Wasserfall. Auch wenn Göttergatte grummelte, weil er es zu kalt fand, ich wollte mich bewegen, die Landschaft riechen und mit all ihrer Herbheit aufnehmen.
Zunächst stimmten die Mädels fröhlich ein und wollten mit, aber nur ein paar Meter vom Camper entfernt, fielen trotz der kalten Witterung Mückenschwärme über uns her und wir waren schneller auf dem Rückweg zum WoMo als gedacht.
Eine Beule und Steinschmätzer bei Vedahaugane
Bei unserer Fahrt hinunter zum Sognefjord (bitte nicht wundern, dass wir fahren und fahren und immer wieder am Sognefjord enden – der Sognefjord reicht über 200 km ins Landesinnere und hat unzählige Nebenarme) machten wir einen Stopp bei Vedahaugane. Wie sich zu unserer Enttäuschung herausstellte, handelte es sich dabei um einen in eine kleine Höhle als Kunstwerk eingelassenen Müllhaufen, der die Touristen zu nachhaltigem Handeln erziehen soll.
Ich war sichtlich enttäuscht und tat dies auch kund und da Gott kleine Sünden sofort bestraft, knallte ich mit meinem Kopf heftig an die niedrigen Felsen der Höhlendecke. Mir wurde ganz schummrig und ich brauchte eine Weile, um mich davon zu erholen. Von der Beule würde ich noch eine Weile haben.
Immerhin hatte ich noch ein fotografisches Highlight vor mir, was mich die Schmerzen sofort vergessen ließ: in den Steinhaufen zwischen niedrigem Gestrüpp entdeckte ich zwei Steinschmätzer, offensichtlich ein Pärchen, was zwischen den Steinen brütete. Während das Weibchen schnell Vertrauen zu mir fasste und das Nest in unmittelbarer Nähe anflog, blieb das Männchen misstrauisch. Vom Weibchen gelangen mir sehr schöne Fotos, vom Männchen leider nicht.
Eine Pause für rauchende Bremsen und Kupplung
Danach ging’s ohne Pause weiter zum Sognefjord. Unten angekommen brauchten Fahrer und das WoMo eine Pause. Ich war fertig und das WoMo auch: die Kupplung rauchte, die Bremsen stanken. An einem kleinem Rastplatz am Fjord gab es also erstmal Schokolade und Cookies. Was gibt’s besseres für die Nerven?
Die Fahrt ging weiter zum 5 km entfernten Ort Fodnes. Hier wollten wir mit der Autofähre nach Mannheller übersetzen. Unser Rastplatz lag am Sognefjord auf Meereshöhe, Fodnes liegt auch am Sognefjord auf Meereshöhe, aber es gibt an dieser Stelle keine Straße entlang des Sognefjords. Zwischen dem Rastplatz und Fodnes liegt eine Hochebene mit über 1000 m Höhe … so ist Norwegen : … rauf, runter, rauf, runter … mit besten Gruß an die Kupplung und die Bremsen. Zum Glück gab es diesmal einen Tunnel und die Kupplung wurde nicht mehr beansprucht.
Autofähren in Norwegen: schwimmende Autostraßen
Große Wartezeiten gab es bei unserer Reise an den Autofähren nicht. Göttergatte meinte, die norwegischen Autofähren seien keine Schiffe, sondern schwimmende Autostraßen. Dank der automatischen Kennzeichenerfassung werden die Maut- und Fährgebühren in Norwegen nach Online-Registrierung bei einem der skandinavischen Mautbetreiber automatisch von der Kreditkarte abgebucht. Es gibt also an den Fähren keine Zeitverzögerungen durch Bezahlvorgänge, man fährt einfach parallel auf mehreren Spuren auf die Fähren auf.
Einweiser weisen einem die geeignete Spur zu und helfen beim passgenauen Auffahren. Angenehm auch die (sehr undeutsche) Disziplin und Gelassenheit der Autofahrer: auch wenn es eng ist und manchmal die Spiegel eingeklappt werden müssen - es gibt keine Hektik, kein Vordrängeln, jeder kommt dran und drauf. Dann bleibt man im Fahrzeug oder geht in einen Loungebereich und kann eine Kleinigkeit essen oder einen Kaffee trinken. Beliebt sind auch schnelle Toilettengänge, um den Abwassertank des WoWos zu entlasten.
Kjørnes Camping - gepflegter Campingplatz mit Waschmöglichkeit
Unser nächster Campingplatz, Kjørnes Camping, lag wieder am Sognefjord, diesmal aber am gegenüberliegendem, nördlichen Ufer. Dies war ein ausgesprochen attraktiver Campingplatz mit guten Sanitäranlagen und Waschmöglichkeiten für die Wäsche. Wir hatten mal wieder einen Stellplatz mit Blick auf den Fjord und abends kam auch mal die Sonne hervor.
Fjaerlandsfjord im strömenden Regen
Das bißchen Sonne mussten wir am nächsten Morgen aber teuer bezahlen – es goss wie aus Kübeln! Das Wetter so traurig wie die vergessene Hose am Aussichtspunkt Fjaerlandsfjord.
Der Fjaerlandsfjord ist auch ein Teil des Sognefjords. Entlang dieses Fjords wollten wir nach Fjaerland und Mundal. Traumhaft schöne Landschaft, atemberaubende Bergformationen … Mundal sollte sehr hübsch sein, das „Buchdorf“ Norwegens … um es kurz zu machen, das Wetter war grottenschlecht, von der Landschaft bekam man so gut wie nichts mit und in Mundal war alles geschlossen, wir waren mal wieder zu früh dran. Es war das erste Mal, dass ich auf dieser Reise ernsthaft frustriert war. Ich hatte mich auf den Fjaerlandsfjord gefreut. Erinnern die umliegenden Berge doch ein wenig an die Lofoten, zu denen wir nicht hinkommen würden.
Unter „Buchdorf“ hatten wir uns auch etwas anderes vorgestellt als ein paar traurige Regale mit durchgefeuchteten, vergilbten Bibliothekskadavern …. So hatten wir ausreichend Zeit, das Gletschermuseum in Fjaerland zu besuchen, was auch den Besuch wert war.
Abstecher zum Bøyabreen Gletscher
Danach machten wir kurzentschlossen einen Abstecher zum Bøyabreen, einen Gletscher, den man ohne große Wanderung quasi direkt von der Straße aus bestaunen kann, wenn die tiefhängenden Wolken den Blick darauf freigeben. Hier hatten wir aber zumindest soviel Glück, dass wir trotz des Regens einen Blick auf das Gletschereis erhaschen konnten. Ein paar Schritte wollten wir aber auch laufen und so machten wir uns auf, über sumpfige, aufgeweichte Pfade etwas höher zu steigen, um noch einen besseren Blick auf den Gletscher zu bekommen. Wirklich weit kamen wir nicht, da wir schon bald vereiste Schneefelder hätten passieren müssen. Dafür waren wir aber nicht ausgerüstet.
Auch in Norwegen haben sich die Gletscher sehr stark zurückgezogen, so dass vom Bøyabreen von unten auch nicht mehr viel zu sehen ist. Ein kurzer Besuch im naheliegenden Restaurant Brævasshytta erlaubte eine kurze Aufwärmphase und eine Kleinigkeit zu essen.
Die WoMo-Dusche wird zum Abtropfschrank
Der Campingplatz für diesen Abend war Veganeset Camping. Das ist ein einfacher, aber schön gelegener Platz am Sognefjord gegenüber von Vikøyri. Durch den andauernden Regen war der Platz ziemlich aufgeweicht und man musste gut achtgeben, dass man sich auf den unbefestigten Stellplätzen nicht festfährt. Klar war jedoch auch, jeder Schritt außerhalb des Campers führte auf jeden Fall zu Wasser in den Schuhen, da man unmittelbar in den aufgeweichten Boden einsank. Also hieß es, Strümpfe aus und Croques an, war zwar kalt aber man hatte anschließend kein Wasser in den Sneakern. Unter der Randbedingung, dass es draußen kalt war und wir drinnen keine Heizung hatten, wurden die nämlich nicht trocken. Noch besser ist es, wenn man seine Kinder nach draußen in den Regen schicken kann, um den Camper an den Strom anzuschließen und den Stand zu nivellieren. Dann bleibt man nämlich selbst trocken und die Kinder werden nass … .
An dieser Stelle kann man ruhig erwähnen, dass die recht ansehnliche Dusche im WoMo von uns nicht ein einziges Mal zum Zwecke des Duschens benutzt wurde. Wir haben sie recht schnell zu einem Nass-Kleiderschrank umfunktioniert, in dem unsere nassen Klamotten – wenn schon nicht trockneten – dann doch zumindest abtropfen konnten.
Landschaftsroute Gaularfjellet
Der nächste Morgen begrüßte uns kurzzeitig mit strahlendem Wetter, so daß man die Aussicht auf den Fjord mit einem Becher Kaffee genießen konnte. Unsere Marschrichtung für den Tag war nun weiter in Richtung Norden, den Sognefjord würden wir nun erstmal hinter uns lassen. Ein kurzes Stück folgten wir noch seinem Ufer, wo uns Regen und tiefhängende Wolken aber sehr schnell wieder einholten.
Kurz bevor wir den Sognefjord verließen, erlebten wir in einer kleinen Seitenbucht, dem Svaerafjorden eine kleine Überraschung, entdeckten wir doch zwei Seehunde am Ufer, die den frühen Morgen verdösten. Immerhin befanden wir uns an dieser Stelle in etwa 140 km Entfernung zum Atlantik im Landesinneren. Aber der Sognefjord beheimatet mit einer maximalen Tiefe von 1300 m jede Menge Meeresfische, von denen die Seehunde wohl gut leben können. Das ist das wirklich überraschende, dass die Fjorde trotz des hohen Eintrages an Süßwasser durch Gletscher und Wasserfälle sehr salzhaltig sind. Das Oberflächenwasser kann weniger Salz enthalten, wenn Gletscherzuflüsse Süßwasser eintragen, aber in der Tiefe führen die Fjorde Meerwasser mit hohem Salzgehalt.
Unser nächstes Ziel war das Gaularfjellet mit einem weiteren spektakulären Aussichtspunkt. Normalerweise stark von Reisebussen frequentiert waren wir aber an diesem Aussichtspunkt zunächst alleine, da es noch sehr früh am Morgen war. Der Blick hinab auf die Serpentinen, die wir gerade erst hochgefahren waren, war atemberaubend. Leider waren die Berge wieder von Regenwolken verhüllt. Der Wind an dem exponierten Aussichtspunkt war eisig und die Mädels waren froh, ihre Skijacken dabei zu haben.
Der typische Reisebustourist
Wir verkrochen uns wieder in den Camper, um zu frühstücken und dabei erzählte ich den Kindern, wie es abläuft, wenn Reisebusse an solchen Punkten ihre Gäste ausspeien, um die obligatorischen Touristenfotos zu machen: jeder versucht der erste zu sein, der den Bus verlässt. Mit mehr oder weniger passender Kleidung rennen alle wild umher: die einen zum Aussichtspunkt, um als erster das Selfiefoto vor Bergkulisse machen zu können. Das sind vornehmlich die Männer. Die Frauen hingegen, beeilen sich, die ersten an der Parkplatztoilette zu sein, um nicht in der Schlange stehen zu müssen. Die Mädels tadelten mich, dass ich doch eine Lästerschnecke sei, aber keine 5 Minuten später kam der erste Reisebus und ich hielt die Mädels an, genau acht zu geben, in wieweit sich meine Prophezeiung bewahrheiten würde. Wir haben viel gelacht, war meine Darstellung vielleicht ein wenig überspitzt formuliert aber entsprach sie doch im Wesentlichen den beobachtbaren Begebenheiten. Und die Mädels mussten zugeben, dass Lästern eine Lachflash-fördernde Beschäftigung sein kann.
Kneipp-Tour am Likholefossen
Unsere Fahrt ging über das Gaularfjellet zum Likholefossen. Hier wollten wir einen kleinen Spaziergang machen, da es mal eine Stunde trocken von oben war. Der Likeholfossen hat keine große Fallhöhe, es handelt sich mehr um eine schöne Kaskade in einem breiten Flussbett. Über die tosenden Wassermassen, die mit dem vielen Regen aus dem Gaularfjellet zu Tal stürzten, führt eine spektakuläre Brücke hinüber.
Der Weg schlängelte sich durch einen lichten Wald mit einem dicht mit Moosen und Flechten bewachsenen Boden. Die erste Herausforderung kam, als wir ein kleines Moor durchqueren mussten. Dort gab es zwar Holzstege, aufgrund der starken Regenfälle hatte sich aber soviel Wasser gestaut, dass Land-unter auf dem Steg herrschte. Dank guter Bergschuhe fühlte ich mich aber zunächst gut gerüstet.
Der Weg wurde nicht trockener, sondern verwandelte sich mehr und mehr in knöcheltiefe Bachläufe und Schlammansammlungen. So langsam weichten auch unsere gut imprägnierten Bergschuhe durch. Irgendwann war dann aber ein kritischer Nässegrad überschritten: da unsere Schuhe und Strümpfe ohnehin bereits vollkommen getränkt waren, machte uns auch das weitere Waten durchs Wasser nichts mehr aus. Irgendwie hatten wir dann eine Abzweigung verpasst und mussten anschließend mehr oder weniger querfeldein laufen. Wir kamen dann an einem einfachen Skilift vorbei, der wohl nur für die einheimische Bevölkerung als Übungslift gedacht war und folgten nun einem breiteren Weg, der anscheinend als Zubringer für Servicefahrzeuge für den Lift diente. Dieser Weg führte dann auch zu einer kleinen Brücke, die eine Querung des Flusses ermöglichte.
Die sah aber alles andere als vertrauenserweckend aus, erschien sie uns doch recht baufällig. Egal, wir mussten darüber. Ich bin ehrlich, ich war froh, als wir die Brücke und den tosenden Fluss hinter uns gelassen hatten. Ein kurzes Stück folgten wir dann der Hauptstraße zurück zum Parkplatz, wo wir das WoMo abgestellt hatten. An der Straße gab es eine Handvoll Häuser und eine (antike?) Tankgelegenheit. Die einzelne Zapfsäule wartete mit bescheidenen Dieselpreisen von 3,24 Kronen pro Liter auf, umgerechnet etwa 30 ct. Das wirkte doch etwas aus der Zeit gefallen. Zurück im Camper wurde kurz gecheckt wie man 4 Paar nasse Schuhe optimal in der Nähe der Auslässe der Fahrzeugheizung platzieren konnte, um wenigstens einen geringfügigen Trocknungsgrad der Schuhe zu erzielen.
Geheimtipp: Die Bäckerei in Byrkjelo!
Nach einer ruhigen Nacht in Jølster Panorama Camping war das Ziel für den nächsten Tag Hellesylt am Geirangerfjord, eine relativ lange Fahrstrecke von 130 km. Nach den ersten 20 km kamen wir durch den Ort Byrkjelo. Sehr sympathisch dieser Ort: 1. Er empfing uns mit den ersten Sonnenstrahlen seit einer gefühlten Ewigkeit, 2. er hatte eine erstklassige Bäckerei, die nicht nur mit sehr gutem Gebäck, sondern mit allerhand ausgefallenen Leckereien aufwartete. Diese Bäckerei ist definitv einen Besuch wert! Wir konnten uns an den vielen bunten Sachen gar nicht satt sehen, eine echte Augen- und Gaumenweide!
Mit dem Loen Skylift auf den Hoven
Hinter Byrkjelo ging es über die Berge zum Innvikfjord, der zum Nordfjord gehört. Auf der Fahrt wurden wir regelrecht von der Sonne verwöhnt, wir konnten unser Glück kaum fassen. Am Skjørbakkane Aussichtspunkt hatte man einen schönen Blick auf den Innvikfjord und ein paar Kühe boten sich als schöner Vordergrund fürs Foto an.
Der erste Ort unten am Innvikfjord war Utvik mit einer netten kleinen Kirche. Nun ging es entlang des Innvikfjords Richtung Loen. Eigentlich wollten wir aufgrund des mäßigen Wetters den Loen Skylift, eine große, nicht ganz preiswerte Bergbahn auf den Hoven auslassen, aber die Mädels wollten etwas Abwechslung von der Fahrerei und so versprachen wir ihnen eine Fahrt hinauf.
Auf unserem Weg nach Loen kamen wir am Abzweig zum Brikdalsbreen in Olden vorbei. Ich wäre noch gerne die 20 km bis zum Gletscher Brikdalsbreen gefahren, aber mittlerweile war es schon früher Nachmittag und wir wollten ja noch auf den Hoven in Loen. Also fuhren wir nur bis zum Floensee, von wo man einen schönen Blick auf die Berge des Jostedalsbreen Nationalpark hatte.
Wir fuhren weiter nach Loen, fanden schnell einen Parkplatz für unseren Camper und ab ging es in die dicht gepackte Seilbahn … wenn wir hier kein Corona kriegen sollten, dann wären wir garantiert immun! Steil und schwindelerregend schnell fuhr die Bahn auf den Hoven.
Oben angekommen, war der Himmel zwar mittlerweile recht zugezogen, aber es regnete noch nicht. Vom Hoven hatte man einen traumhaften Blick auf den Jostedalsbreen Nationalpark entlang der Täler des Lovatnet mit Kjenndalsbreen und Oldevatnet mit Brikdalsbreen sowie entlang des Innvikfjords.
Aufstieg zum Skredfjellet
Nach den typischen Selfiefotos an den Aussichtspunkten wollten wir Mädels noch etwas höher rauf auf den Hoven, Göttergatte wollte nicht mit und entschloss sich, im Bergrestaurant auf uns zu warten. Wir Mädels haben den 150 m hohen Anstieg auf den Grat des Skredfjellets sehr genossen, endlich mal ein paar Schritte gehen und das ohne Regen! Oben angekommen hatte man eine fantastische Rundumsicht, getrübt nur dadurch, dass von Norden her wieder Regen im Anmarsch war.
Wir machten uns also auf den Rückweg. Knapp oberhalb der Skylift Bergstation sahen wir meinen Göttergatten durch die Kälte stapfen. Es gab nur zwei Möglichkeiten für seinen unerwarteten Aufenthalt außerhalb des Bergrestaurants: 1. Er machte sich Gedanken, wo wir abgeblieben waren oder 2. die Menükarte im Restaurant war unattraktiv. Es war letzteres. Wohlgelaunt, aber mit hungrigem Papa, machten wir uns auf die Rückfahrt zum Camper. Nun, es sollte noch einiges an Aufregung auf uns zukommen. In der Tat sollte es die unangenehmste Szene des Urlaubes werden, die im Nachhinein für mich die Erinnerung an Norwegen noch eine Weile trüben wird.
Vorsicht vor Straßenrallyes!
Kurz hinter Loen, am Ortseingang von Stryn, sind wir mit einem ungeschriebenen Gesetz im Straßenverkehr konfrontiert worden, welches anscheinend nur die Norweger kennen und was uns als unwissende Touristen in eine wirklich üble Situation gebracht hat:
An einem Verkehrskreisel, an dem es ein hohes Verkehrsaufkommen gab, war ich voll darauf konzentriert, gefahrlos in den Kreisel einbiegen zu können. Für mich eine ganz normale Verkehrssituation, keine Ordner, kein Polizist zu sehen. Im Augenwinkel sah ich, dass das Fahrzeug an der nächsten Einbiegung in den Kreisel ein Sportwagen war. Ich schenkte dem aber keine weitere Beachtung. Ich fuhr also durch den Kreisel und in der Gewissheit, dass ich gegenüber dem Sportwagen Vorfahrt hatte. An der nächsten Abzweigung wollte ich den Kreisel verlassen, in dem Augenblick wurde ich links von einer Harley mit einem wild gestikulierenden Typen à la Hells Angel mit Kutte überholt. Er schrie mich an und beleidigte mich auf Übelste, wobei „Idiot!“ „F*!“ „Get off the road, you b*!“ noch die harmlosen Titulierungen waren. Der Rocker schnitt mich und nötigte mich anzuhalten, während er seine üblen Beschimpfungen fortsetzte. Dabei wurde auch nicht davor zurückgeschreckt, mich aufgrund meiner deutschen Herkunft als Nazi zu bezeichnen. Ich hatte keine Ahnung was los war.
Mittlerweile hatte ich den Kreisel verlassen, von rechts kam eine Straße, dort stand ein Linienbus. Der Busfahrer signalisierte mir, ich solle rechts abbiegen und nicht – wie eigentlich geplant – geradeaus weiter fahren. O.K., der Busfahrer war ein vernünftig aussehender Mann. Irgendwas musste es geben, was mir entgangen war. Ich stellte den Camper auf der Straße ab, mittlerweile staute sich der Verkehr in alle Richtungen. Der Busfahrer erklärte mir dann, dass ich nicht in den Kreisel hätte einbiegen dürfen, denn der von mir wahrgenommene Sportwagen gehörte zu einer langen Kolonne von Fahrzeugen, die an einer Ralley teilnahmen und die hätten im Kreisel Vorfahrt gehabt. Ahhh ja!?! Und dafür die ganze Aufregung und die üblen Beschimpfungen? Woher bitte schön soll man DAS wissen, wenn der Verkehr nicht durch Ordner oder Polizisten geregelt wird?
Ich habe später versucht, irgendeine Verkehrsregel für Norwegen bzgl. Vorfahrt von Ralley-Teilnehmern im Internet zu recherchieren und bin erfolglos geblieben. Das muss irgendein stillschweigendes Übereinkommen in Norwegen oder vielleicht auch nur in Stryn sein, von dem man als Tourist keine Ahnung hat.
Als wir dann kurz darauf wieder unsere Fahrt nach Hellesylt fortführten, sah ich, dass die Ralleyteilnehmer keine 50 m weiter auf einen Supermarktparkplatz eingebogen waren und die Ralley anscheinend dort beendet war. Für diese 50 m machte dieser Rocker sooo ein Fass auf???
Ich fand es letztlich nur wahnsinnig traurig, dass ein schöner Tag mit einem Besuch auf dem Hoven so getrübt zu Ende gehen musste. In dem Augenblick hatte ich von Norwegen die Nase gestrichen voll!
Hellesylt - es gießt wie aus Kübeln ...
Um unsere Stimmung abschließend so richtig runter zu ziehen, empfing uns Hellesylt am Geirangerfjord in strömenden Regen, mal wieder. Bei dem Regen hatten wir noch nicht mal Lust von unserem Campingplatz, Hellesylt Camping, am Kreuzfahrt Pier in den kleinen Ort zu gehen. Der Geirangerfjord verhüllte seine Schönheit in düsteren Regenwolken. Immerhin konnten wir noch das Anlegemanöver der „Mein Schiff 4“ beobachten, die ihre Passagiere wieder aufnahm, die wohl eine Bustour von Geiranger nach Hellesylt gebucht hatten.
Das einzige Produktive für diesen Abend, was wir vermelden können, dass wir online für den nächsten Abend einen Tisch im Restaurant „Anno“ im Bereich des Jugendstilhafens von Ålesund reserviert haben, unser Ziel am nächsten Tag.
Nach Ålesund, das Wetter wird langsam besser
Am nächsten Morgen ging es dann weiter Richtung Ålesund am Atlantik. Wir verließen also zunächst einmal Fjordnorwegen. Geiranger selbst hatten wir erst für die Rückfahrt eingeplant. Kurz hinter Hellesylt gab es aber noch den Geirangerfjord Aussichtspunkt … da haben wir aufgrund des schlechten Wetters noch nicht mal mehr angehalten …
Irgendwann geht die Fahrt per Fähre über den Storfjord … ein Bild sagt mehr als tausend Worte ...
O.k., es gibt auch Positives zu berichten. Die größeren Orte in Norwegen haben immer ein Bobilparkeren in der Nähe des Zentrums, so auch in Ålesund. Klein, aber fein. Für die Camper gibt es Toiletten und Duschen, alles gut organisiert: die Camping-Gebühren zahlt man easy per Kreditkarte am Automaten. Mit dem Beleg erhält man auch einen Pincode für die Sanitäranlagen. Die sind einfach, aber sauber. Also alles prima.
Klar, der Campingplatz ist eigentlich nur ein Parkplatz zwischen Stadtmauer und Atlantik, aber die Aussicht aufs Meer ist doch prima! Wenngleich der Regen und der starke Wind noch nicht ernsthaft einladend wirken.
(Ich weiß nicht wie das zweite Foto vom Bobilparkeren in Ålesund entstanden ist, aber der Fotograf war auf jeden Fall schon seekrank …)
Abendlicher Stadtrundgang in Ålesund
Später dann ließ der Regen etwas nach und mir machten uns auf in Richtung Stadtzentrum, denn wir wollten ja auch noch zu Abend essen. Was wir total übersehen hatten, es war Samstag kurz nach 16 Uhr. Wir befanden uns in einem der touristischen Zentren Norwegens, immerhin legen hier die Hurtigruten und alle Kreuzfahrtschiffe an …. . Man wollte es nicht glauben, Ålesund klappt die Bürgersteige am Samstagnachmittag hoch … es war also nix mit „noch einen Sprung in einen Souvenirshop“ … Feierabend … nur gucken, nix kaufen!
Ålesund ist eine sehr schöne Stadt, aber die Trolle an jeder Ecke sind furchteinflößend hässlich. So richtig Spaß machte die erste Besichtigung nicht, bei Regen ist einfach alles blöd! Immerhin, das Restaurant (erstaunlich abgenutzt) bot ganz gutes Essen. Immerhin mal kein Fast Food, sondern norwegischen Fisch und das wohl typische norwegische Foccacia. Für meinen Geschmack mit zu viel ganzen Oliven und etwas zuviel Olivenöl. Wir beendeten den Tag mit Schuhe trocknen und hofften auf Wetterbesserung für den nächsten Tag.
Ein ganzer Tag in Ålesund
Am folgenden Tag war das Wetter wie versprochen gut. Die Tagesplanung war wie folgt: Zu Fuß ins Stadtzentrum von Ålesund, von dort mit der hop on-hop off – Bimmelbahn zum Aquarium, mit der Bimmelbahn auf den Aussichtsberg Aksla, was futtern, zu Fuß runter in die Stadt, Stadtbesichtigung, Abendessen, zurück zum Camper, in die Heia. Das war der Plan …
Zu Fuß in die Stadt – check.
Wo fährt die Bimmelbahn ab? Ja, irgendwo hier … siehst du was? Ah, ‚tourist office‘ – gut, fragen wir … „Nee, die fährt nur für Passagiere der Kreuzfahrtschiffe … . Aber Sie können den Bus XY nehmen, bei B umsteigen in die Linie YZ und dann … ja, aber die fährt nicht sonntags.“ Gggrrmmbbl … aaaarrrgh … o.k. mir ist das Geld jetzt wurscht, die Mädels wollen ins Aquarium und wir fahren da jetzt hin – mit dem Taxi! Gesagt getan, die freundliche Dame des Touristenbüros bestellte uns ein Taxi und 10 min später ging’s zum Aquarium.
Das Aquarium in Ålesund ist sehr empfehlenswert! Wir erfreuten uns bei den Außenbecken an den Robben und am leicht gestörten Pinguin, der laut schreiend immer auf die Besucher zurannte. Der Innenbereich war auch schön gestaltet, es gab sogar Anfassbecken.
Auf den Aussichtsberg Aksla
Nach dem Aquarium ging es mit dem Taxi auf den Aksla. Wir wollten dort oben im Aussichtsrestaurant essen. Frustriert musste ich mich schon von der Idee verabschieden, dort zum Sonnenuntergang zu essen, wie es ursprünglich geplant war. Das Restaurant hat seit Corona nur noch mittags auf. O.K., dann eben Mittagessen. Wir also auf den Aksla – super, spektakulärer Blick über Ålesund und die Schären.
Jetzt was essen! Nee jetzt – das Restaurant war sonntags geschlossen! Wo gibt’s denn sowas! Göttergatte hatte Hunger! Hilft nix, wir mussten wieder runter. Die berühmte Treppe auf den Aksla mit ihren 418 Stufen ist runter viel attraktiver … spektakuläre Aussichtpunkte mit der Stadt im Blick machen den Weg zum Genuss!
Wieder unten im Stadtzentrum angekommen wollten die drei Mädels das gute Wetter für noch ein wenig Stadtbesichtigung nutzen … sie guckten und guckten … sie beobachteten Quallen im Hafen und … Göttergatte schob Hunger.
Göttergatte: „Da ist eine Pommes Bude!“ Ich: „Och, nö, ich wollte vernünftig essen gehen. Hier um die Ecke muss es ein Restaurant geben.“ Göttergatte: „Da ist ein Thai.“ Die drei Mädels überhören das. Ich: „Wo ist denn nun das Restaurant? Muss hier irgendwo sein …Mist, wegen Renovierung geschlossen!“ Göttergatte: „Also, ICH geh jetzt zur Pommes Bude!“ Immerhin versprach diese, dass sie ‚wahrscheinlich‘ die besten Fish & Chips der Welt servierten. Ich fügt mich in mein Schicksal … . Göttergatte und die Mädels bestellten, ich sicherte einen Tisch auf der Außenterrasse. Der Ausblick versöhnte mich mit den Fast-Food-Aussichten ...
O.k., die Fish & Chips waren wirklich gut. Ob sie die besten der Welt waren, wagte ich zu bezweifeln. Egal, Hauptsache, alle waren gestärkt für einen Gang zum Leuchtturm Moja. Dieser gehört zum Hotel Brosundet. Bucht man Zimmer 47 landet man für die Nacht im Leuchtturm!
Zurück im Stadtzentrum gönnten sich die Mädels und Göttergatte noch ein Eis, jetzt passte die Stimmung wieder und müde machten wir uns auf zum WoMo.
Nach Bud an der Atlantikstraße
Der nächste Tag startete trübe, aber die Wetterprognose für den Tag an der Atlantikstraße verhieß Gutes. Unser erstes Ziel war Bud, ein kleiner Fischerort nordwestlich von Ålesund. Norwegen wie gemalt: blauer Himmel, weiße Wolken, blaues Wasser, rote Bootshäuser, Schären … Wir versöhnten uns gerade mit Norwegen …
Von Bud aus ging es Richtung Atlantiksraße. Unterwegs machten wir einen Abstecher zum Aussichtspunkt Askevågen. Nicht, dass es außer Wasser viel zu sehen gegeben hätte, aber schöne Aussichtspunkte können die Norweger bauen!
Nahe Farstadt wollten wir im Naturschutzgebiet Farstadbukta eine Wanderung zum Leuchtturm machen. Eigentlich war es fast schon zu warm, wir waren 20°C und Sonnenschein nicht mehr gewohnt! Die Wanderung entlang der Atlantikküste ist sehr schön, wir genossen das traumhafte Wetter.
Brücke ins Nichts
Wir näherten uns dem spektakulären Teil der Atlantikstraße, der Storseisundbrücke. Mit einer Länge von nur 260 m gewinnt sie über den Sund eine lichte Höhe von 23 Metern. Die größte Steigung beträgt 6% … bei Sturm möchte man die nicht mit einem WoMo fahren! Warum die Brücke auch „Brücke ins Nichts“ genannt wird, bedarf keiner Erläuterung, wenn man die Bilder sieht.
Eigentlich wollten wir am Lyngholmen Parkplatz übernachten, hoffte ich doch auf eine interessante Abendstimmung an der Brücke. Leider zog sich der Himmel immer mehr zu und ein interessantes Abendrot war nicht zu erwarten. Also fuhren wir bis zum Ende der Atlantikstraße, wo in Atlanterhavsveien Sjøstuer ein netter kleiner WoMo-Stellplatz auf uns wartete.
Fahrt nach Andelsnes
Am nächsten Morgen ging es früh wieder Richtung Farstadt. Göttergatte hatte am Tag zuvor nach der Wanderung seinen Pullover an einem Zaun des Parkplatzes hängen lassen, den wir wieder einsammeln wollten. Auf dem Weg besuchten wir dann noch die Anglerbrücke , wo am Tag zuvor der Parkplatz bereits überfüllt gewesen war. Nun, die Aussicht war recht nett, es gab so früh aber nur eine alte Anglerin. Spannend waren aber die Möwen, die unterhalb der Brücke ihre Nistplätze hatten – was für ein Geschrei war das! Aber an der Storseisundbrücke gab es noch ein klein wenig Sonnenaufgangstimmung, nicht spektakulär, aber immerhin.
Mit dem Pullover wieder an Bord ging es nun nach Andelsnes, ein bekannter Ort bei vielen Kreuzfahrtreisen. Was soll ich sagen – je näher wir den Fjorden kamen, desto schlechter wurde wieder das Wetter …
Im Hafen von Andelsnes lag ein AIDA-Kreuzfahrtschiff, die AIDAperla … die Schiffe sind riesig. Wenn man davorsteht, wirken sie wie ein Hochhaus. Schön ist in unseren Augen anders. Nein, wir wollen definitiv keinen Kreuzfahrt-Urlaub machen!
Rampestreken
Ähnlich wie in Loen gibt es in Andelsnes eine Bergbahn rauf auf den Aussichtsberg Rampestreken. Er wurde uns als sehr viel schöner als der Hoven in Loen angepriesen. Ja, o.k. es war nett da oben und bei schöneren Wetter ist es sicherlich ein schönes Wandergebiet, aber soviel anders im Vergleich zum Hoven nun auch wieder nicht. Immerhin konnten wir noch einen kurzen Spaziergang machen bevor dort oben wieder Sturm und Regen einsetzten.
Unten wieder angekommen hieß es wieder „Hunger!“ Wo was essen? Ja, da gehen wir doch mal in Andalsnes‘ Wahrzeichen, ins Tindecenter. Eigentlich ist das ein stilisierter Felsen, der ein Bergsportzentrum und das Cafe enthält. O.k., Essen sollte man am Tresen bestellen, die Bedienung war leicht überfordert. Es dauerte eine Weile bis unsere Bestellung aufgenommen wurde. Wir gingen an unseren Tisch und hatten Zeit … viiiel Zeit … es dauerte fast eine Stunde bis unser Essen kam. In dieser Zeit sahen wir die Aida ablegen (was einen gewissen Unterhaltungswert hatte wie der Kreuzfahrtriese in dem engen Fjord auf der Stelle am Kai wendete) und die Balmoral anlegen. Mal hatte man Ausblick auf den Fjord, mal nicht – das hängt von der Größe des Kreuzfahrtschiffes ab, das am Kai liegt.
Das Essen war dann ganz o.k. und wir machten uns anschließend auf in den Ort. Mein Navi sagte, dass es einen „Extra“-Supermarkt geben sollte. Da wollten wir unbedingt den Jalapeño-Schinken der Eigenmarke holen – sehr lecker! Mhmm, da wo das Navi uns hin leitete war das Rathaus … unwahrscheinlich, dass darin ein Supermarkt versteckt lag. Vielleicht dahinter? Also über den Hinterhofparkplatz marschiert … da entdeckten wir ein Möwenküken, das wir von der Mutter abgeschnitten hatten – Mutter-Möwe not amused! Während wir drei Mädels uns um das Wesentliche kümmerten, das Küken wieder mit der Mutter zu vereinen, kümmerte sich Göttergatte auch um das Wesentliche und fand den Supermarkt! Den Kühlschrank gefüllt ging es weiter zu unserem nächsten Stellplatz, Trollvegen Camping.
Trollvegen Camping
Der Campingplatz ist direkt unterhalb der Trollspitzen gelegen und man hoffte, dass die Felsspitzen oben blieben. Man hörte dann auch irgendwann eine Steinlawine, aber am Campingplatz kam nichts an.
Vom Campingplatz aus führt ein kleiner Pfad entlang des Flusses zum Trollvegen Besucherzentrum. Da abends das Wetter gut und mild war, wollten wir uns noch ein wenig bewegen. Zunächst war der Pfad gut zu begehen. Dann kamen wir an ein erstes sumpfiges Stück, wir ahnten schon Böses .., bald trafen wir auf ein ernsthaftes Sumpfgebiet. Wir beratschlagten noch, ob wir den Übergang wagen sollten oder umkehren. Da kamen uns deutsche Urlauber entgegen. Wir beschlossen, zuzuschauen, ob die anderen trockenen Fußes durch den Sumpf kamen. Sie schlugen zu viert vier verschiedene Wege ein. Keiner führte ohne Wasser in den Schuhen zu uns. Also kehrten wir um, auf nasse Schuhe hatten wir heute abend wirklich keine Lust.
Da der Abend überraschend mild war, wollten wir unser Abendessen und den Spieleabend erstmalig nach draußen vor den Camper verlegen .. wir hatten Tisch und Stühle noch nicht ganz aufgebaut … da fing es wieder an zu regnen … Ach, Regen hatten wir eine Weile nicht, war zur Abwechslung auch mal ganz schön … grrmmbll.
Zum Sonnenuntergang kam die Sonne noch mal hervor und tauchte die Trollspitzen in ein magisches Licht, leider nur ein Handyfoto .. durch den ganzen Regen war ich auf magisches Licht fotografisch nicht mehr eingestellt …
Trollstigen
Am nächsten Morgen ging es wieder früh vor dem Frühstück los – auf zum Trollstigen! Und endlich, ein einziges Mal hatten wir in Fjordnorwegen gutes Wetter, und das ausgerechnet für den Trollstigen! Danke an die Himmelsgötter! Unten fuhren wir zwar in Nebelschwaden los, aber es war klar, dass weiter oben die Sonne auf uns wartete.
Die Straße selbst fand ich jetzt nicht so spektakulär, wer die großen Alpenpässe gefahren ist, hat schon spektakulärere Straßen erlebt, insbesondere Auerlandsvegen empfand ich als atemberaubender, aber wenn man oben angekommen ist, wartet ein wunderschöner Aussichtspunkt auf einen.
Das Besucherzentrum hatte leider geschlossen, da es durch eine Lawine im April 2022 teilweise zerstört wurde. Wir konnten froh sein, den Trollstigen überhaupt fahren zu können, da er auch bis in den Juni hinein noch gesperrt gewesen war.
Als wir vom Aussichtspunkt zurückkamen, füllte sich langsam der Parkplatz und die ersten Reisebusse trafen ein. Zeit, um zum Frühstücksplatz zu fahren. Und es gab wieder die übliche Arbeitsteilung, ich mache Fotos, die anderen Frühstück.
Ich traf noch zwei Radfahrer aus Deutschland, die ich auf der Bergfahrt überholt hatte. Sie waren auch früh los, um den Wohnmobilfahrern zu entgehen … o.k., ich konnte etwas gut machen, indem ich ein nettes Foto von den beiden mit ihren Rädern schoss …
Gudbrandsjuvet Wasserfall und Cafe
Wir machten uns dann wieder auf den Weg runter vom Trollstigen Richtung Geirangerfjord. Man fuhr durch ein sehr schönes Tal und relativ weit unten kamen wir an einem tosenden Wasserfall, dem Gudbrandsjuvet vorbei, zu dem eine architektonisch interessante Brücke führt. Wir hatten Glück, wir bekamen auf dem winzig kleinen Parkplatz, der schon mit einigen PKWs und einem Reisebus besetzt war, noch den allerletzten Platz für unser WoMo.
Zu Fuß ging es zunächst über die Brücke zum Wasserfall, eine kleine, aber sehr enge Schlucht mit tosendem Wasser.
Highlight des Besuchs war aber das Gudbrandsjuvet Cafe. Hier gibt es wirklich seeehr gutes Gebäck und leckere Getränke. Super war auch: eigentlich hatte das Cafe noch gar nicht auf, aber man bat uns freundlich herein und so waren wir die ersten Gäste im Cafe hatten freie Platzwahl. Wir entschieden uns für die winzigen, gefühlt in den Wasserfall hineinragenden Ecken mit großer Glasfront … man hoffte, dass die Statik des Gebäudes gut berechnet war.
Cafebesuch heißt auch „die Mädels gehen noch mal schnell auf die Toilette“ … darin unterscheiden wir uns eigentlich nicht von den Reisebustouristen … bei den Toiletten hatte sich ein Architekt ausgetobt. Man geht in die Räumlichkeiten hinein und steht vor Stahlgebilden und Beton. Türen zu den Kabinen waren nicht zu erkennen. Wie funktioniert das hier? Eilig darf man es nun nicht haben … es dauert, bis man den Mechanismus zum Öffnen der Kabinen verstanden hat … sitzt man dann auf dem Klo, bekommt man Fluchtinstinkte … Gefängnis ist nichts dagegen! Wer denkt sich sowas aus?
Erdbeeren und Geiranger
Das Tal vom Trollstigen nach Geiranger ist ein großes Obstanbaugebiet. Überall am Straßenrand sah man, wie Erdbeeren geerntet wurden. Diese konnte man direkt frisch vom Feld kaufen. Klar haben wir angehalten und auch zwei Schalen mitgenommen. Man mag es kaum glauben, trotz des vielen Regens und der kalten Temperaturen, die Erdbeeren in Norwegen waren die leckersten, die ich seit langem gegessen habe!
Weiter entlang unserer Route, am Korsmyra Aussichtspunkt, tauchte er dann auf, der legendäre Geirangerfjord. Noch sind wir 650 m oberhalb des Fjords. Und die 650 Höhenmeter haben es straßenmäßig in sich! Steile und enge Sepentinen, schmale Straße, schon recht voll und psychologisch sehr unangenehm, da man in jeder Serpentinenkurve nur das Wasser des Fjords sieht Wir hatten einen Fahrer vor uns, der vollkommen überfordert die Straße mittig entlangkroch. Leider gab es keine Ausweichstellen und der einzige Parkplatz am Aussichtspunkt Adlerkurve (der Name ist hier Programm!) war restlos überfüllt. An Überholen war nicht zu denken. Um es kurz zu sagen, als Fahrer hatte ich von der Strecke runter nach Geiranger nichts. Im Nachhinein habe ich es bedauert, dass ich keine Chance auf einen Stopp an dieser Straße hatte, denn spektakulär muss die Sicht auf den Geirangerfjord gewesen sein.
Der Ort Geiranger am Fjordende ist natürlich total überlaufen: Kreuzfahrtschiffe, die tausende von Menschen befördern, Reisebusse und PKW- bzw. Campingtouristen geben sich die Ehre. Der Campingplatz hat ca. 1000 Stellplätze … . Wir ergattern noch einen in zweiter Reihe am Fjord. Einem morgendlichen Kaffee am Fjordufer stand also nichts im Wege. Gut! Und – was noch viel besser war - es regnet mal nicht! Wir also kurz entschlossen zum Bootsanleger, um eine Fjordfahrt zu buchen.
RIB Tour auf dem Geirangerfjord
Während die Eltern eher etwas gemütliches bei Kaffee und Kuchen im Sinn hatten, wollten die Mädels Abenteuer auf einem RIB (Rigid Inflatable Boat), also ein PS-starkes Festschlauchboot.
Ähmmm ja … Ich zu Göttergatte: „Lass uns den Kindern doch was gönnen … die haben noch nicht viel vom Urlaub gehabt …“ Ja, ähmmm, so mutig wie ich klang, war ich nicht. Egal, mitgehangen, mitgefangen, das ziehen wir jetzt durch. Erste Amtshandlung – Tickets bezahlen, zweite Amtshandlung – ich werfe Tabletten gegen Seekrankheit ein. Das war eine seeeehr weise Entscheidung … .
Wir ziehen uns also Floatinganzüge gegen Kälte und Spritzwasser und Schwimmwesten an. Wir kannten das ja schon aus Island und wir fühlten uns wieder wie die Michelin-Männchen und genossen es, endlich mal warm zu haben!
Im Boot gab es 3 Plätze nebeneinander. Göttergatte und die beiden Mädels in die erste Reihe, ich dahinter. Da ich alleine saß, setzte ich mich – um Gewichts-Ausgleich bemüht – in die Mitte. Das hatte auch den Vorteil, dass ich mich nach rechts und links gleichermaßen gut festhalten konnte. Ein Mädel drehte sich zu mir um und meinte großzügig „Oder möchtest du vorne sitzen?“ „Och, nö, muss nicht sein … bin ganz glücklich hier in zweiter Reihe …“ Und so war es auch, ganz vorne wäre ich, glaube ich, gestorben.
Der schnuckelige Guide gönnte uns dann auch ein Spaßprogramm … jeder, dem übel werden würde oder Panik bekäme, sollte unterwegs die Hand heben … na super, beruhigende Aussichten! Aus dem Hafen ging es noch langsam, schnell fahren darf dort keiner … aber dann … ein paar schnelle S-Kurven, Schräglagen, testen, ob einer der Passagiere kollabierte … ich fragte mich bereits nach 2 Minuten, wie ich das 50 min überleben sollte … Meine Füße hatte ich rechts und links unter den Vordersitzen eingeklemmt, mit beiden Händen die Haltegriffe der Vordersitze fest umklammert. Ich wünschte mir, ich hätte mich wegwünschen können. „Alle o.k.? Allen geht es gut?“ „Äh nee, nicht so ganz …“ „Ja, dann können wir ja loslegen!“ „Äh, es wird noch schlimmer?“ Ja, wurde es! Voll Speed auf die Felswände zu, erst kurz vorher in Schräglage abdrehen. An Fotografieren war nicht zu denken , die Kamera hing mir wie Blei um den Hals. Ich wagte es nicht, meine Hände von den Haltegriffen zu lösen. Zum Glück hielt der Guide aber hin und wieder an, so dass man in Ruhe schauen und ein paar Fotos machen konnte. Irgendwann hatte man sich etwas an die Geschwindigkeit, die Kurvenfahrten gewöhnt und wir bekamen wirklich Highlights geboten: An die großen Wasserfälle wie die „7 Schwestern“ fuhren wir ganz nahe heran. Das Wasser war zum Greifen nah und wirklich beeindruckend. Wenn man bedenkt, wie voll die großen Ausflogsboote gewesen waren und was für eine exklusive Erlebnisfahrt wir gehabt hatten, wurde auch mir klar, dass die RIB-Tour eine gute Entscheidung gewesen war. Es war ein einmaliges Erlebnis! Der Abend ging dann noch trocken zu Ende und die einsetzende Ebbe legte farbenfrohen Seetang frei und man hatte noch einen schönen Blick auf den Geirangerfjord.
Fieber in Geiranger
Abends bekam ein Mädel dann Fieber. O.k. dachten wir, Corona hat uns jetzt doch eingeholt. Aber, der Coronatest fiel negativ aus. Aber eine ordentliche Erkältung kündigte sich an. Und es war klar, dass der kommende Tag ein Ruhetag werden würde.
Der nächste Morgen startete mit aufgelockertem Himmel, die Mädels schliefen noch und ich bewaffnete mich mit Kaffee und Kamera und machte „Foto-Jagd“ auf die Austernfischer, die auf der kleinen vorgelagerten Insel ihre Küken fütterten.
Unser Mädel hatte immer noch Fieber, sie blieb aber weiterhin negativ. Es war aber nun endgültig klar, dass wir an dem Tag nichts Großes würden unternehmen können. Am Nachmittag ging es ihr etwas besser und wir machten uns auf, den Holebrua-Wasserfall direkt im Ort zu besuchen. Es wurde eine kleine Runde durch den Ort. Geiranger hat nette kleine Cafes und Shops (die im Gegensatz zu Ålesund auch noch geöffnet hatten). Die Mädels kauften sich für 10 Euro zwei warme Jacken, bei dem Preis konnte man die nicht hängen lassen, für mich gab es einen neuen, mittlerweile heißgeliebten Kaffeebecher aus dem netten kleinen Schokoladen-Cafe und anschließend ging es in ein nettes kleines Restaurant direkt am Fjord. Zurück am Campingplatz wartete der Abend noch mit einem prächtigen Abendhimmel und mit einem Rotschenkel am Ufer auf.
Übers Blåfjell von Geiranger nach Dønfoss camping
Am nächsten Morgen rangierte gerade die Mein Schiff 1 vor dem Campingplatz. Mit der Aussicht, auf eine Ladung von 2900 Kreuzfahrtpassagieren wurde es Zeit, Geiranger zu verlassen. Hier konnten wir vom Aussichtspunkt Queen’s Chair nochmals auf Geiranger und die Mein Schiff 1 zurückblicken.
Es ging nun hinauf aufs Blåfjell, wo uns erneut winterliche Stimmung erwartete. Da wir mal wieder ohne Frühstück losgefahren waren, gab es zwischendurch ein Brot für jeden, denn einen richtigen schönen Frühstücksplatz hatten wir noch nicht gefunden. Aber immerhin fanden wir etwas abseits von der Straße einen unter Eis versteckten Bergsee und ich hatte Glück, denn es gesellte sich ein in Deutschland selten gewordener Wiesenpieper dazu.
Am Ende der 63 trafen wir am Langvatnet wieder auf eine größere Straße, die R15. Hier gab es einen größeren Rastplatz und es gab einen kurzen Weg zu einem kleinem Wasserfall ohne Namen. Da wollten wir hin, die Beine etwas vertreten. Die Aussicht auf das Tal, durch das die 63 uns gerade erst geführt hatte war atemberaubend schön.
Am Parkplatz trafen wir auch ein Paar aus Frankreich im PickUp, die dort übernachtet hatten und gerade dabei waren, ein improvisiertes Frühstück einzunehmen: getrocknetes Elchfleisch und Kaffee. O.k., jedem das seine zum Frühstück …
Etwas später am Breiddalsvatnet konnten wir nochmal auf einem Rastplatz anhalten und die schöne Aussicht auf die östlichsten Ausläufer des Jostedalsbreen Nationalpark genießen.
Ein paar Kilometer weiter, am Heggjebotvatnet gab es wohl eine lokale Institution, den Nationalpark-Kiosk, für den so mancher wohl einen Umweg in Kauf nahm. Eigentlich ist es nur eine Pommesbude, aber die Spezialität ist der Elchburger. Den musste Göttergatte natürlich probieren. Das war übrigens der einzige Elch, den wir zu Gesicht bekommen haben – in Form von gegrilltem Hackfleisch.
Unser Ziel für den Tag war Dønfoss camping, ein traumhaft schöner Campingplatz, ganz im Stil von amerikanischen Campingplätzen in den Nationalparks – viel Natur, viel Platz um den eigenen Camper, aber mit den Annehmlichkeiten eines kommerziell betriebenen Campingplatzes: Schwimmbad, Restaurant, Shop, tolle Sanitäranlagen, Spielplatz usw. .
Norwegische Icebucket-Challenge
Das Freibad war wunderschön angelegt, aber eigentlich für warmes Wetter gedacht … nicht für 6° Außentemperatur …. Aber wir sind nur heute hier, auf wärmeres Wetter können wir nicht warten … also … wir wollten da rein … ohh … extra Kosten 15 € pro Person! Bei dem Wetter bleiben wir höchstens 10 min und dafür soviel Geld? Egal! Norwegen und Icebucket-Challenge im eiskalten Wasser gibt es nur einmal! Wir also an die Rezeption … „Ihr wollt schwimmen ?!?? Das Wasser ist kalt, wirklich kalt!“ „Jaja, wir wollen da rein.“ „ Das Wasser ist seeehr kalt!“ „Jaja, ist uns klar.“ „O.k., ihr könnt rein. Ihr braucht auch nicht zu zahlen. Es ist seeeehr kalt.“ O.k., umso besser!
Es WAR sehr kalt!… Wir haben etwa 20 min gebraucht, um komplett ins Wasser zu kommen. Nachdem die unteren Extremitäten abgefroren waren, ging es … wir Mädels haben dann auch tapfer zwei Bahnen geschwommen. Wir waren DIE Attraktion! Von den Balkonen der Lodge hatten wir zahlreiche Zuschauer, die uns wohl entweder für unsere Tapferkeit bewunderten oder für vollkommen irre hielten … das war nicht so ganz klar. Anschließend sind wir erstmal seeehr lange und seeehr heiß duschen gegangen … aber wir waren total erfrischt und der Kreislauf war sehr angeregt. Und das Wetter war gut genug, um an dem Abend zum ersten und einzigen Mal in Norwegen zu grillen. Der Wind war zwar frisch, aber dafür gibt es ja Decken und essen kann man auch im Camper. Da der Campingplatz so schön war, entschieden wir spontan, den Aufenthalt um einen Tag zu verlängern.
Am nächsten Morgen begrüßte uns die Sonne, die Mädels durften entspannt ausschlafen und ich konnte meinen Kaffee draußen genießen. Dabei konnte der neue Kaffee-Lieblingsbecher in Szene gesetzt werden.
Stabkirche Lom
Wir planten einen entspannten Ausflug ins 20 km entfernte Lom mit seiner bekannten Stabkirche. Diesmal waren wir auch spät genug dran, so dass sie für eine Besichtigung geöffnet war. Mittlerweile hatte sich die Heizung im Camper zu einem echten Problem entwickelt. Regelmäßig ergoss sie ihren Inhalt in den Camper. Beheben konnten wir das Problem nur, indem man das Heizungs-Wasser nach draußen abließ … das sah dann so aus, als ob man das Abwasser nach draußen entsorgte … auf dem Parkplatz in Lom haben wir dann das WoMo abgeschlossen und uns zügig verdrückt nach dem Motto, „der gehört nicht zu uns“ … aber irgendwie war die Spur dann doch verräterisch ….
Wir haben nach dem Besuch der Kirche versucht, über Gugle ein vernünftiges Restaurant ausfindig zu machen … im Touristen – und Skiort Lom müsste es doch ein vernünftiges Restaurant geben … die Gugle Rezensionen waren nicht vielversprechend:
Restaurant 1: „Essen war teuer. Dann falsches erhalten. Als Zugabe gab es noch eine Fliege im Dressing.“
Restaurant 2: „Menü recht begrenzt und Preis-Leistungsverhältnis nicht sehr gut. Ich denke, dass es in Lom bessere Möglichkeiten gibt.“ … Nö!
Wir haben uns für die Fliege im Dressing entschieden, die wurde dann glücklicherweise nicht serviert, aber die Pizza war ganz annehmbar. Aber wenn ich dabei an das Liftstüble in Vandans oder an den Burger-Imbiss in Stykkishólmur, Island denke ….
Sognefjell - Nebel des Grauens
Am nächsten Morgen ging es dann vorbei am Jotunheimen Nationalpark nach Süden über die Landschaftsroute Sognefjell. Das Wetter war wieder eher mäßig. Das Sognefjell ist mit über 1400 m der höchste Gebirgspass Nordeuropas, und es kündigte sich Nebel an. Von der atemberaubenden Landschaft bekamen wir nicht viel mit. Leider! An der Sognefjellshytta auf der Passhöhe legten wir dennoch einen Stopp ein und spazierten zum Jotunheimen Nationalpark Aussichtspunkt, der aber nur Blick auf Nebelschwaden verhieß. Trotzdem konnten wir wenigstens eine Ahnung von der mystischen Landschaft gewinnen. Bei gutem Wetter muss das Wandern in dieser Landschaft fantastisch sein. Bei der Rückkehr zur Sognefjellshytta gab der Nebel für ein paar Minuten einen Blick auf den gewaltigen Smorstabbreen frei. Aber der Blick währte nicht lange und der Nebel wurde wieder dichter. So entschlossen wir uns, eine Kleinigkeit in der Sognefjellshytta zu essen. Das Angebot war klein, aber lecker: Es gab Waffeln und Kakao.
Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg vom Fjell wieder hinunter zum Sognefjord. Das wurde die scheußlichste Fahrt überhaupt: dichter Nebel, dass man kaum 10 m weit sah, schmale Straße, keine Sicht, vermutlich steile Abgründe. Ich hatte keine Ahnung, wo ich fuhr. Von der fantastischen Landschaft des Sognefjells bekam man absolut nichts mit. Der Nebel lichtete sich erst, als wir fast unten waren. Immerhin gab es hier einen schönen Aussichtspunkt mit Blick in das Fontane Tal, welches uns zum Lustrafjorden, den nord-östlichsten Arm des Sognefjords bringen würde.
Rudern auf dem Sognefjord
Am Sognefjord fanden wir einen sehr netten kleinen Camping Platz, Viki Fjordcamping, direkt am Fjord. Hier konnten wir uns ein kleines Ruderboot ausleihen und die wunderschöne türkise Farbe des Fjords lockte diesmal alle aufs Wasser. Nach der anstrengenden Nebelfahrt vom Sognefjell hinunter zum Sognefjord, konnte ich mich endlich entspannt zurücklehnen. Leider fühlte sich nun das andere Mädel nicht wohl, sie bekam ebenfalls Fieber. Da sie ihre Nächte mit ihrer Schwester im Alkoven des WoMos verbrachte, war es nicht verwunderlich, dass sie sich angesteckt hatte. Aber auch nun blieb der Coronatest negativ.
Entlang der Königsroute
Nach dem schönen, trockenen Abend empfing uns der nächste Morgen erneut mit Regen. Unsere Route führte uns nun zügig zurück Richtung Oslo. Unsere nächste Übernachtung hatten wir in Bøflaten Camping am Vangsmjøse See. Der See ist sehr idyllisch gelegen und die Landschaft rund um den berühmten Königsweg, die historische Verbindung zwischen Oslo und Bergen, hätte Gelegenheit für eine schöne Wanderung gegeben. Aber – als es wie hier - mal nicht regnete, hatte unser zweites Mädel Fieber und wir mussten beim Wohnmobil bleiben.
Ein Meteorkrater und Wassermangel
Unser weiterer Weg führte uns am nächsten Tag durch Gol, einem norwegischen Skiort. Je näher wir Oslo kamen, desto strahlender wurde das Wetter und die Temperaturen stiegen. Wir waren durch den vielen Regen und die Kälte daran nicht mehr gewöhnt und der Stadtbummel und die Suche nach einem Restaurant für die Mittagspause erwiesen sich als ermüdend für uns alle. Die Stimmung an Bord war nicht berauschend: einem Mädel ging es ohnehin nicht so gut und Göttergatte hatte Hunger. Dem anderen Mädel war es zu heiß und ich war frustriert, dass man auch die letzten Kilometer durch Norwegen abfuhr, ohne eine wirkliche Unternehmung zu machen. Folgerichtig konnten wir uns auch zu keinem Restaurant entschließen, das allen zugesagt hätte. Wir landeten in einer überfüllten Bäckerei, die belegte Brötchen to go verkaufte … und selbst dabei gab es keine richtige Entscheidung, wer was haben wollte. Wir waren alle erschöpft.
So ging es weiter Richtung Oslo. Unterwegs wies ein Schild zum Meteorittparken Gardnos. Wir haben uns spontan entschlossen, dorthin zu fahren. Das Positive: wir konnten uns mal eine Stunde bewegen, das Negative: für eine Stunde Spaziergang musste man zahlen, es war schwül-warm und vom Meteoriten-Einschlagskrater war in der Landschaft eigentlich nichts mehr zu sehen … o.k. … hätte man sich sparen können.
Mittlerweile war es bereits Nachmittag und wir hatten noch ein gutes Stück bis zu unserem heutigen geplanten Campingplatz Stavn Camping vor uns. Die Tagesstrecke von etwa 150 km Fahrt wurde mir langsam lang. Endlich in Stavn Camping angekommen erwartete uns dann leider eine böse Überraschung: nach 3 Wochen Dauerregen in unserem Urlaub eröffnete uns der Campingplatz-Betreiber, dass sie leider keine Wohnmobile übernachten lassen könnten, da ihr Brunnen aufgrund von Wassermangel versiegt sei. …. ??????? … Wassermangel????? … ich konnte es nicht fassen. Tja, das ist der Unterschied zwischen Fjordnorwegen und der Gegend nahe Oslo: während in Fjordnorwegen die westlichen Winde ihre Feuchtigkeit an den hohen Bergen abregnen (nicht umsonst gilt Bergen in Westnorwegen als die regenreichste Stadt Europas), fällt östlich der Fjorde kein Regen mehr.
Campingperle am Krøderfjorden
Und so fügten wir uns ins Unvermeidliche und hängten an den langen Tag noch weitere 70 km bis zum nächsten Campingplatz, Ørpen Camping, an. Dieser Stellplatz entpuppte sich als kleine Campingperle – einfach in seiner Infrastruktur, aber schön gelegen und an einem wunderschönen See, dem Krøderfjorden. Und – es war trocken und warm! Damit hatten wir zum ersten Mal in Norwegen die Gelegenheit, im Wasser zu baden, draußen zu essen und abends noch vor dem Camper zu sitzen.
Das Seeufer war voller Kaulquappen, so dass man kaum ins Wasser gehen konnte, ohne mit jedem Schritt zum Kaulquappenmörder zu werden. Aber ich denke, es sind weniger Kaulquappen durch uns als durch die unzähligen Wasservögel gestorben. Bei diesem Campingplatz wurden wir dann aber leider auch abends ernsthaft von Mücken belästigt …. . ich genoss den Abend aber trotzdem, gab es doch unzählige Gänsesäger (wenngleich in großer Entfernung) und – zu meiner Freude - einen selten gewordenen Flussuferläufer zu beobachten.
Ein überaus umfangreicher Holländer – bei dem man sich echt fragte, wie sein alter Wohnwagen ihn so lange überlebt hatte - hatte uns noch am selben Abend in sein Herz geschlossen, konnten wir ihn doch aus der Notsituation befreien, dass seiner Frau das Öl zum Kochen ausgegangen war. In der folgenden Nacht entpuppte er sich als ein Säger anderer Gattung und ich fragte mich nun ernsthaft, wie der alte Wohnwagen ihn überstanden hatte: der wohlgenährte Holländer schnarchte derart laut, dass ich in unserem Wohnmobil wachlag und ungerechtfertigter Weise zunächst meinen Göttergatten verdächtigte. So endete die Nacht relativ früh, was aber durch die Schönheit der morgendlichen Stille, die gefiederten Säger, dem emsigen Flussuferläufer und durch einen frischen Kaffee ausgeglichen wurde.
10 Käsebällchen
Nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns auf unsere letzte Etappe Richtung Oslo. Wie versprochen legten wir nochmal einen Stopp in Garntangen ein. Nicht, dass wir schon Hunger gehabt hätten auf Pommes und Käsebällchen (oder hätten haben dürfen … ), aber versprochen ist versprochen. Wir erreichten Garntangen in strahlendem Sonnenschein. Und dieses Mal klappte es auch, für die Mädels mehr als ein Käsebällchen zu bestellen. Der Umstand, dass wir eigentlich noch keinen rechten Hunger hatten, kam den Unmengen an Stockenten-Damen und Möwen zu Gute, die gefühlt 90% unseres Essens bekamen.
Stadtbummel in Oslo
In Oslo angekommen steuerten wir unseren Stellplatz für die Nacht an, Topcamp Bogstadt am Fuße des legendären Holmenkollen, der nicht nur den Fans des Skispringens ein Begriff sein dürfte und etwa 10 km außerhalb des Stadtzentrums liegt. Der Campingplatz selber ist sehr groß: 500 Stell- und Zeltplätze, ein Supermarkt, top-gepflegte Sanitäreinrichtungen, ein Badesee etc. etc. Es gibt eine direkte Busanbindung in das Stadtzentrum von Oslo. Da von den ursprünglich zwei geplanten Tagen in Oslo aufgrund der Verkürzung der Reise nur noch ein halber Tag übrig geblieben war, wollten wir in der verbleibenden Zeit nach Oslo in die Stadt. Also erstmal um ein Busticket kümmern. Göttergatte meinte, an der Rezeption würden sie uns ein Busticket geben. Pustekuchen: „Ja, da müssen Sie sich die App runterladen und online ein Ticket buchen.“ Äh, ja … . O.k. wer ist der Dumme, der das für die Familie machen darf? Ich natürlich …. . Also erstmal funktionierendes WLan suchen … App im App-Store suchen …. Runterladen … WLan weg … nochmal runterladen …. installieren …. registrieren mit allen Daten, die man so preisgeben kann … Kreditkartennummer hochladen … richtige Busverbindung suchen … richtige Preiskatgorie suchen „Hat irgendjemand eine Ahnung was ich hier eingeben muss?“ Nö, natürlich nicht, make a good guess! Göttergatte steckt den Kopf durch die Tür: “Was macht ihr eigentlich so lange? Kommt ihr endlich?” … grmmmbbll … „Wolltest du ein Busticket haben? Dann nerv nicht rum …“ App: „Wollen Sie Ihr Busticket wirklich aktivieren? Gültigkeit nach Aktivierung ist 30 min!“ Okay, Kinder, wann fährt der Bus? Wir aktivieren mal noch nicht. … An der Bushaltestelle schnell den Busfahrplan abfotografieren … sicher ist sicher … Versteht jemand, was da steht? .. Nicht? O.k. … schaun wir mal ….
Die Dame neben uns sieht erfahren aus: Ah, kennen Sie sich aus? Nee, wir machen einfach mal und hoffen das Beste. Wann muss man das Ticket aktivieren? Mein Sohn sagt, jederzeit, ich vertrau ihm. Ah, da kommt der Bus, jetzt sollten wir wohl aktivieren. Gesagt getan und rein in den Bus. Gut, dass man das Stadtzentrum nicht übersehen kann, denn die norwegischen Ansagen der Haltestellen versteht man nicht. Und so landen wir 30 min später mitten in der Sommerhitze von Oslo. Die Straßencafes rappelvoll, kein Gedanke daran, dort einen Platz zu finden.
Hitze und deutsche Aufenhaltsqualität
Also ist erstmal Kultur angesagt. Aber schon bald stellt sich die Frage: Können wir irgendwo was trinken? Da gibt’s ein Eis! Sieht jemand einen freien Platz? Nee, also weiter. Ich: „Mir ist zwar auch heiß, aber bis zum Königshaus würde ich schon gerne …“ … ein elend langer Anstieg auf der unbeschatteten Prachtstraße, eine schattenlose Treppe hinauf zum Palast … ich habe mein Ansinnen zutiefst bereut. Göttergatte: „Ich muss was trinken.“ Ein Mädel: „Ich bin müde.“ O.k., noch ein Foto und dann durch den schattigen Park zurück. Wo können wir uns hinsetzen und was trinken? Göttergatte: „Lasst uns zum Hafen gehen, da gibt es bestimmt etwas.“ Ja und nein … es gibt ein paar Imbißbuden to go, nix zum Sitzen, und kein Restaurant weit und breit … man findet nur – hier zitiere ich die treffende Beschreibung eines der Mädels – „deutsche Aufenthaltsqualität“, d.h. eine gepflasterte Einöde ohne Schatten (dank fehlenden Grüns) und ohne einladende Sitzgelegenheit (höchstens eine Bank in praller Sonne) … urbane Möblierungs- und Pflanzkonzepte … Eine Weile haben wir uns dann an den Anlegern der Fähr- und Ausflugsboote ausgeruht und beratschlagt was wir tun wollten. Wir waren alle müde, überhitzt und erschöpft. Wir beschlossen, wieder in Richtung Zentrum zurückzugehen und fanden ein annehmbares Restaurant nahe des Rathauses. Nichts dolles, aber man saß im Schatten und man konnte etwas trinken. Dann ging es wieder zum Bus und einem gemütlichen, ruhigen Abend auf dem Campingplatz stand nichts mehr im Wege.
ColorLine Fährterminal
Für den nächsten Tag wurden die Koffer für die Übernachtung auf der Fähre gepackt und dann ging es schnurstracks zum Fährhafen, wo die Oslo-Kiel Fähre bereits auf uns wartete. Erneut reihten wir uns in die langen, eng beparkten Fahrzeugschlangen am Kai ein.
Die Beladung des Schiffes verzögerte sich, Schokolade und die Aussicht auf knackige Einweiser versüßten die Wartezeit. Die Mädels fanden ihre Mama "voll peinlich“. Aber an Bord unseres WoMos war die Stimmung gut, während um uns herum der Stresspegel langsam stieg und die weiblichen Lästerschnecken an Bord unseres WoMos hatten wieder Hochkonjunktur:
Draußen erhob sich ein Tumult … ein offensichtlich deutscher Staatsbürger erklärte lautstark einem anderen deutschen Reisenden im schlechtesten Deutsch-Englisch, dass er nicht einfach seine Tür aufreißen könne, um sein Auto zu zerstören .. aufgrund der vielen WoMos neben uns, konnten wir nicht erkennen, um welch wertvolles Objekt es sich da handeln möge … der Tumult reichte aber für mindestens ein teures SUV eines namhaften deutschen Premiumherstellers. Immerhin hatten sich schon einige Teslas aus Düsseldorf, schwere BMW SUVs aus München, Porsches aus Stuttgart und Audi Q7 etrons aus allerlei teuren deutschen Städten Richtung Fähre bewegt. Als dann die PKW-Reihen endlich in Bewegung kamen, tauchte selbiger deutsche Beschwerdeführer mit seinem … Dacia … auf. …. O.k. …., ich bin nun wirklich eigentlich keiner, der einen anderen nach der Größe bzw. dem Kaufwert seines Automobils beurteilt, aber da entfuhr mir doch schneller als ich denken konnte (natürlich aufgrund der Hitze bei geöffneten Fenstern und WoMo-Tür) ein spontanes „Und wegen DER Kiste macht der Typ so ein Fass auf?!“ Die Reisenden um uns herum brachen in Gelächter aus und schwupps war ich mal wieder aufgefallen … Merke - egal, wo er auftaucht, ein Rheinländer redet wie ihm der Schnabel gewachsen ist …. immer … (halbherziges schäm) …
Bald wurden auch die WoMos auf die Fähre geleitet. Diesmal war es die ColorLine Fantasy Fähre so wie wir sie vor einem Jahr gebucht hatten: VIP Bereich und geräumig luxuriös. Der Laderaum für die Fahrzeuge ist aber so eng und unübersichtlich wie auf allen anderen Fähren auch.
Fährüberfahrt von Oslo nach Kiel
Noch etwas unübersichtlicher wie wir am nächsten Morgen noch merken sollten. Aber soweit waren wir noch nicht: WoMo abgestellt, Reisegepäck geschultert, zwischen den Fahrzeuges hindurchgezwängt, die Deck- und Aufzugsnummer sicherheitshalber abfotografiert und dann rauf zum VIP-Bereich und zu unseren Kabinen, die diesmal auch sofort bezugsfertig waren: geräumig und luxuriös! Nach vier Wochen Spar- und Kurzduschen auf Campingplätzen genossen wir erst einmal eine ausgiebige, heiße Dusche bis zum Abwinken im luxuriösen Bad. Herrlich, Kinder, genießt es … das ist das letzte Mal vor einem langen, kalten Gas-Spar-Winter in Deutschland!
Derart erfrischt machten wir uns auf, das Schiff zu erkunden. Da die ColorLine Fähren auch für Mini-Kreuzfahrten genutzt werden, gibt es neben den großen Aussichtsdecks auch einen Innenbereich mit Shopping Mall und Restaurants. Zunächst blieben wir auf den Aussichtsdecks, um diesmal bei Sonnenschein, wenn auch leicht trüb, die Ausfahrt aus dem Oslofjord zu genießen. Für meinen Göttergatten und die beiden Mädels gab’s eine Pommes und alle gönnten sich eine kalte Limonade.
Anschließend erkundeten wir die Shopping Mall und die Restaurants. Das ganze Ambiente ist ja ganz nett, um es sich mal anzuschauen, aber so stellen wir uns dann doch keinen Urlaub vor – zu künstlich, wie Disneyland. Göttergatte und ich werden definitiv keinen Kreuzfahrt-Urlaub machen! Wir fanden dann ein recht nettes italienisches Restaurant, wo wir ganz gut zu Abend gegessen haben.
Anschließend ein kurzer Bummel durch die Geschäfte. Hier wurde ich dann fündig: ein „Polar Hoodie“ würde mir im Gas-Spar-Winter noch gute Dienste leisten, mit 40 € war er auch durchaus bezahlbar. Während ich das hier schreibe, trage ich den Polar Hoodie auch bei 19°C Raumtemperatur und Göttergatte ist neidisch, dass er sich selber keinen gekauft hat.
Noch einmal kurz an die frische Luft – mittlerweile war Nebel aufgezogen – und dann ging es zurück in die Kabinen und einer ruhigen Nacht stand nichts im Wege.
Einlaufen in die Kieler Förde und Loriot-würdige Tumultszenen
Am nächsten Morgen gab es ein sehr gutes Frühstück im Aussichtsrestaurant für VIP Gäste und wir erwarteten die Einfahrt in die Kieler Förde. Dank trockenem Wetter, konnten wir diese wieder auf dem Aussichtsdeck genießen. Wir werden von Kieler Möwen begrüßt, die die letzten Pommes Frites vom Vorabend auf dem Deck finden.
15 min vor dem Anlegen hieß es dann runter in die Kabinen, das Gepäck holen und das WoMo wiederfinden …. Ja, leichter gesagt als getan! Leider kann man auf den ColorLine Fähren nicht jeden Aufzug von jedem Deck aus erreichen! Das war aber vielen Leuten nicht so ganz klar!
So kam es in den Treppenhäusern zu so mancher skurriler, loriotscher Szene, in der hektische, verzweifelte und entnervte Reisende mit ihren Koffern und weinenden Kindern im Schlepptau die Treppen von Deck zu Deck rauf- und runterschnauften und verzweifelt ihr Autodeck suchten. Ein Familienvater kam uns brüllend entgegen „Verdammt noch mal, ich will jetzt SOFORT zu meinem Wagen!!!“ und die Kinder weinend hinterher „Papa!!!! Warum müssen wir jetzt wieder die Treppen hoch gehen?!?!?!?“. Ich muss gestehen, diesmal waren wir nicht die von außen beobachtenden Lästerschnecken, sondern selbst Teil der Loriot-würdigen Inszenierung.
Ich wurde zunehmend panisch und ungehalten, da wir den Aufzug A2 nicht fanden. Die Erlösung erschien in Form eines Zimmermädchens mit Staubsauger, welches in dem Chaos Haltung und Ruhe bewahrte und uns erklärte, dass wir am falschen Ende des Schiffes seien, den Übergang zum Vorschiff aber nur zwei Deck höher erreichen könnten. Also mit Sack und Pack wieder nach oben geschwitzt, in die Shopping Mall wieder abgestiegen, durch die ganze Shopping Mall durchgequetscht – warum zur Hölle stehen hier überall nur die Kreuzfahrtrentner in Pulks im Weg herum?!?! – und dann eeeendlich Aufzug A2 gefunden, um dann endlich zum Fahrzeugdeck 3 hinunterfahren zu können … Ich frage mich ernsthaft, wie das auf dem Schiff abgeht, wenn es im Notfall mal evakuiert werden muss? Ich war fertig und fühlte mich wie der Eisbär auf dem Bild!
Home, sweet home!
Noch ein letztes Mal vorsichtig vom Schiff gefahren und dann in einer überraschend entspannten Fahrt nach Aachen zurückgekehrt. Noch am selben Abend das WoMo entladen, geputzt, um dann erleichtert in die heimischen Federn zu fallen: nichts wackelt, Platz ohne Ende und gemütlich die Beine ausstrecken, ohne irgendwo anzustoßen!
Home, sweet home!
Am nächsten Morgen dann das Fahrzeug wieder nach Düren zum Vermieter gebracht und die Modalitäten für die Erstattung besprochen. Und dieses Mal hatten wir wirklich Glück: das Geld für die verpatzte Fährhinfahrt hatten wir zwei Wochen später auf unserem Konto.
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